Indie-Helden von nebenan: The Notwist im Interview

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The Notwist gehören zu den wichtigsten Bands der deutschen Indie-Szene. Und obwohl die Brüder Markus und Michael Acher auch in zahlreichen Nebenprojekten unterwegs sind, bleibt The Notwist stets das konstante Mutterschiff. Live ist die Band in unseren Breitengraden nur selten zu erleben. Umso schöner, dass The Notwist am 5. Mai zum ersten Mal überhaupt in Bayreuth zu Gast sind. Wir sprachen mit Markus Acher über musikalische Wurzeln, Nebenprojekte und Zukunftspläne.

bayreuth4U: Du kommst aus einer sehr musikalischen Familie. Dein Vater ist selbst noch in einer Dixie-Band aktiv, bei der auch du und dein Bruder mitspielen. Wie muss man sich die Kindheit im Hause Acher vorstellen? 

Markus Acher: Angefangen hat alles ganz klassisch mit Blockflöte und Gitarre. Wir hatten auch eine Hausmusik-Band mit unserem Vater und einem Freund von uns. Ich habe mir dann selbst Schlagzeug beigebracht und ein bisschen was von Freunden gelernt. Irgendwann entstand dann die Dixieland-Band – mein Vater ist großer Jazz- und Dixieland-Fan und spielt selbst Posaune. Mein Bruder spielte Trompete, ich habe anfangs Klarinette gelernt, aber das hat mir irgendwann keinen Spaß mehr gemacht. Dann habe ich mich fürs Schlagzeug entschieden.

bayreuth4U: Gibt es die Dixie-Band heute noch?

Markus Acher: Ja, manchmal spielen wir auch noch. Ich selber bin aber fast gar nicht mehr dabei, ich habe leider kaum noch Zeit. Mein Bruder spielt noch öfters mit.

bayreuth4U: Ihr seid in der bayerischen Provinz aufgewachsen. Hat es euch als Band nie gereizt, in die große Stadt umzusiedeln? 

Markus Acher: Als Band nicht, mich persönlich aber schon. Im Endeffekt haben wir das aber kompensiert, indem wir einerseits mit der Band unterwegs waren und andererseits auch Sachen, die uns hier fehlen, nach Weilheim geholt haben. Es gab hier ein Jugendzentrum, da kamen dann Bands aus der ganzen Welt und haben hier gespielt. Grundsätzlich wollte ich schon immer weg, aber das hat sich auch immer in der Musik niedergeschlagen, in dem Herumfahren. Aber mit der ganzen Band in eine Großstadt zu ziehen war für uns nie eine Option.

bayreuth4U: Beim Blick auf euren aktuellen Tourkalender fällt auf, dass ihr hauptsächlich kleinere Städte bespielt. Habt ihr ein Herz für die Provinz?

Markus Acher: Es gibt bestimmte Städte, die bekommen wir angeboten, und dann gibt es die, in denen wir ewig nicht gespielt haben, die aber immer wieder nachfragen. Wir arbeiten momentan auch an einer neuen Platte und anderen Sachen. Das lässt sich dann besser vereinen, wenn man nicht so weit wegfahren muss. 

bayreuth4U: Ihr seid bekannt dafür viele eurer Konzerte im Ausland zu spielen. Warum macht ihr euch hierzulande  rar?

Markus Acher: Einerseits gibt der Terminkalender einfach nicht mehr her, wir machen ja nebenbei noch sehr viele andere Sachen. Andererseits wollen wir es auch einfach nicht überstrapazieren. Und wir spielen einfach sehr gerne im Ausland (lacht). Das macht uns einfach Spaß!

bayreuth4U: Gibt es beim Publikum denn wesentliche Unterschiede zu dem in Deutschland?

Markus Acher: Das ist in jedem Land ein bisschen anders. In dem einen Land gibt es grundsätzlich keine Zugaben, im nächsten ist es sehr geordnet und verhalten, woanders wird laut rumgeschrien. Für uns zählen aber viel mehr die Begegnungen – neue Leute kennenzulernen, das ist uns sehr wichtig.

bayreuth4U: Ihr habt den Ruf, „Studiofrickler“ zu sein. Warum habt ihr euch zuletzt dennoch für ein Live-Album entschieden?

Markus Acher: Im Studio hat man bestimmte Möglichkeiten und live wieder ganz andere. Dabei verändern sich auch die Stücke sehr, weil wir sie für die Bühne anders arrangieren müssen – das wollten wir dokumentieren. Und auch weil wir es bis jetzt nicht geschafft haben, bestimmte Sachen in unserem Zusammenspiel im Studio zu reproduzieren. 

bayreuth4U: Ihr wart in der Anfangszeit mit Bands wie Bad Religion unterwegs. Wieviel „Punk“ der frühen Tage ist  heute noch übrig?

Markus Acher: Gerade eben bin ich an einem Bad-Religion-Plakat vorbeigelaufen, da ist mir das wieder eingefallen. In einer Weise ist es in unserem Denken und einer bestimmten Haltung immer noch übrig. Ich glaube, wir waren nie die typische Punkband, das hat sich immer schon mit anderen Stilen gemischt. Wir hatten zum Beispiel nie die typischen Protest-Texte, die damals jede Band haben musste. Wir haben immer schon Verschiedenes durcheinandergewirbelt, weil wir zum Beispiel auch große Neil Young-Fans waren und nicht nur Punk gehört haben. 

bayreuth4U: Wie fest steht ein Live-Set von The Notwist? Lasst ihr euch auf der Bühne noch Raum für Improvisationen?

Markus Acher: Es gibt natürlich feste Lieder und Refrains und Strophen und sowas, es gibt aber auch immer wieder Teile, die keine feste Form haben und die verändern sich immer mal wieder. Wir haben zum Beispiel zuletzt mit dem Programm „Messier Objects“ unsere Film- und Hörspielmusik gespielt, da war sehr viel improvisiert.

bayreuth4U: Was steht nach der Tour bei euch an?

Markus Acher: Wir arbeiten ja schon eine Weile an der neuen Platte, aber da kam bis jetzt immer was dazwischen. Im Sommer werde ich wieder was neues mit der Band „Spirit Fest“ aufnehmen. Dann kommt Ende Mai der neue Film „Roads“ von Sebastian Schipper, dafür haben wir die Filmmusik gemacht. Das sind so die Hauptprojekte – einfach mal was Neues machen!

bayreuth4U: Für welchen Film oder welche Serie hättest du denn selbst gern die Musik geschrieben?

Markus Acher: Ich würde selbst gern mal für irgendwas richtig Durchgeknalltes die Filmmusik machen, wo man alle möglichen Musikstile reinpacken kann. Aber im Endeffekt haben uns die Sachen, die wir bis jetzt gemacht haben, immer sehr viel Spaß gemacht.

Das Interview führte Mareike Zeis.

The Notwist live – Sonntag, 5. Mai 2019 – Das ZENTRUM, 20 Uhr 
Tickets an allen bekannten Vorverkaufsstellen und unter www.motion-ticket.de. 

 

Foto: Patrick Morarescu

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The Notwist gehören zu den wichtigsten Bands der deutschen Indie-Szene. Und obwohl die Brüder Markus und Michael Acher auch in zahlreichen Nebenprojekten unterwegs sind, bleibt The Notwist stets das konstante Mutterschiff. Live ist die Band in unseren Breitengraden nur selten zu erleben. Umso schöner, dass The Notwist am 5. Mai zum ersten Mal überhaupt in Bayreuth zu Gast sind. Wir sprachen mit Markus Acher über musikalische Wurzeln, Nebenprojekte und Zukunftspläne.

bayreuth4U: Du kommst aus einer sehr musikalischen Familie. Dein Vater ist selbst noch in einer Dixie-Band aktiv, bei der auch du und dein Bruder mitspielen. Wie muss man sich die Kindheit im Hause Acher vorstellen? 

Markus Acher: Angefangen hat alles ganz klassisch mit Blockflöte und Gitarre. Wir hatten auch eine Hausmusik-Band mit unserem Vater und einem Freund von uns. Ich habe mir dann selbst Schlagzeug beigebracht und ein bisschen was von Freunden gelernt. Irgendwann entstand dann die Dixieland-Band – mein Vater ist großer Jazz- und Dixieland-Fan und spielt selbst Posaune. Mein Bruder spielte Trompete, ich habe anfangs Klarinette gelernt, aber das hat mir irgendwann keinen Spaß mehr gemacht. Dann habe ich mich fürs Schlagzeug entschieden.

bayreuth4U: Gibt es die Dixie-Band heute noch?

Markus Acher: Ja, manchmal spielen wir auch noch. Ich selber bin aber fast gar nicht mehr dabei, ich habe leider kaum noch Zeit. Mein Bruder spielt noch öfters mit.

bayreuth4U: Ihr seid in der bayerischen Provinz aufgewachsen. Hat es euch als Band nie gereizt, in die große Stadt umzusiedeln? 

Markus Acher: Als Band nicht, mich persönlich aber schon. Im Endeffekt haben wir das aber kompensiert, indem wir einerseits mit der Band unterwegs waren und andererseits auch Sachen, die uns hier fehlen, nach Weilheim geholt haben. Es gab hier ein Jugendzentrum, da kamen dann Bands aus der ganzen Welt und haben hier gespielt. Grundsätzlich wollte ich schon immer weg, aber das hat sich auch immer in der Musik niedergeschlagen, in dem Herumfahren. Aber mit der ganzen Band in eine Großstadt zu ziehen war für uns nie eine Option.

bayreuth4U: Beim Blick auf euren aktuellen Tourkalender fällt auf, dass ihr hauptsächlich kleinere Städte bespielt. Habt ihr ein Herz für die Provinz?

Markus Acher: Es gibt bestimmte Städte, die bekommen wir angeboten, und dann gibt es die, in denen wir ewig nicht gespielt haben, die aber immer wieder nachfragen. Wir arbeiten momentan auch an einer neuen Platte und anderen Sachen. Das lässt sich dann besser vereinen, wenn man nicht so weit wegfahren muss. 

bayreuth4U: Ihr seid bekannt dafür viele eurer Konzerte im Ausland zu spielen. Warum macht ihr euch hierzulande  rar?

Markus Acher: Einerseits gibt der Terminkalender einfach nicht mehr her, wir machen ja nebenbei noch sehr viele andere Sachen. Andererseits wollen wir es auch einfach nicht überstrapazieren. Und wir spielen einfach sehr gerne im Ausland (lacht). Das macht uns einfach Spaß!

bayreuth4U: Gibt es beim Publikum denn wesentliche Unterschiede zu dem in Deutschland?

Markus Acher: Das ist in jedem Land ein bisschen anders. In dem einen Land gibt es grundsätzlich keine Zugaben, im nächsten ist es sehr geordnet und verhalten, woanders wird laut rumgeschrien. Für uns zählen aber viel mehr die Begegnungen – neue Leute kennenzulernen, das ist uns sehr wichtig.

bayreuth4U: Ihr habt den Ruf, „Studiofrickler“ zu sein. Warum habt ihr euch zuletzt dennoch für ein Live-Album entschieden?

Markus Acher: Im Studio hat man bestimmte Möglichkeiten und live wieder ganz andere. Dabei verändern sich auch die Stücke sehr, weil wir sie für die Bühne anders arrangieren müssen – das wollten wir dokumentieren. Und auch weil wir es bis jetzt nicht geschafft haben, bestimmte Sachen in unserem Zusammenspiel im Studio zu reproduzieren. 

bayreuth4U: Ihr wart in der Anfangszeit mit Bands wie Bad Religion unterwegs. Wieviel „Punk“ der frühen Tage ist  heute noch übrig?

Markus Acher: Gerade eben bin ich an einem Bad-Religion-Plakat vorbeigelaufen, da ist mir das wieder eingefallen. In einer Weise ist es in unserem Denken und einer bestimmten Haltung immer noch übrig. Ich glaube, wir waren nie die typische Punkband, das hat sich immer schon mit anderen Stilen gemischt. Wir hatten zum Beispiel nie die typischen Protest-Texte, die damals jede Band haben musste. Wir haben immer schon Verschiedenes durcheinandergewirbelt, weil wir zum Beispiel auch große Neil Young-Fans waren und nicht nur Punk gehört haben. 

bayreuth4U: Wie fest steht ein Live-Set von The Notwist? Lasst ihr euch auf der Bühne noch Raum für Improvisationen?

Markus Acher: Es gibt natürlich feste Lieder und Refrains und Strophen und sowas, es gibt aber auch immer wieder Teile, die keine feste Form haben und die verändern sich immer mal wieder. Wir haben zum Beispiel zuletzt mit dem Programm „Messier Objects“ unsere Film- und Hörspielmusik gespielt, da war sehr viel improvisiert.

bayreuth4U: Was steht nach der Tour bei euch an?

Markus Acher: Wir arbeiten ja schon eine Weile an der neuen Platte, aber da kam bis jetzt immer was dazwischen. Im Sommer werde ich wieder was neues mit der Band „Spirit Fest“ aufnehmen. Dann kommt Ende Mai der neue Film „Roads“ von Sebastian Schipper, dafür haben wir die Filmmusik gemacht. Das sind so die Hauptprojekte – einfach mal was Neues machen!

bayreuth4U: Für welchen Film oder welche Serie hättest du denn selbst gern die Musik geschrieben?

Markus Acher: Ich würde selbst gern mal für irgendwas richtig Durchgeknalltes die Filmmusik machen, wo man alle möglichen Musikstile reinpacken kann. Aber im Endeffekt haben uns die Sachen, die wir bis jetzt gemacht haben, immer sehr viel Spaß gemacht.

Das Interview führte Mareike Zeis.

The Notwist live – Sonntag, 5. Mai 2019 – Das ZENTRUM, 20 Uhr 
Tickets an allen bekannten Vorverkaufsstellen und unter www.motion-ticket.de. 

 

Foto: Patrick Morarescu

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