Die Dark-Rock-Band Mono Inc. kommt im Sommer nach Kulmbach. Im Gespräch mit Andi Bär verrät Frontmann Martin, warum für ihn Qualität vor Quantität steht, die Plassenburg mehr zählt, als die ganz große Weltbühne und weshalb Open-Air-Konzerte ihren ganz eigenen Flair haben.
bayreuth4U: Martin, erzähl doch mal: Was steht bei dir so zwischen Hallen- und Open-Air-Tour an?
Martin: Wir waren mit der Familie gerade in Dubai. Jetzt sind wir in Hamburg im Dauerregen, fliehen aber gleich wieder vor dem tristen Wetter hier. Es geht nach Marokko, bevor es dann Ende Juni wieder losgeht und wir unsere zehn Open-Airs spielen. Unter anderem ja auch in Oberfranken, bei euch auf der Plassenburg.
bayreuth4U: 2024 hast du in Bayreuth erzählt, dass ihr vor dem Konzert zwei Tage als Touristen hier wart auf jeden Fall wiederkommen wollt. Habt ihr die Plassenburg schon besucht?
Martin: Nein, da waren wir tatsächlich nicht. Ich muss zugeben, dass es in Bayreuth allein schon genug zu sehen gab. Da mussten wir gar nicht raus aus der Stadt. In Kulmbach selber war ich aber schon, da ich dort früher einen Freund hatte.
bayreuth4U: Ist ein neues Album schon in Planung?
Martin: Erstmal nicht. In den letzten Jahren haben wir ziemlich viel rausgehauen. Jetzt geht es darum, Abstand zu gewinnen und es zu genießen, was man sich erarbeitet hat. Dass man nicht immer in diesem höher, schneller, weiter gefangen ist. Die Plattenfirma hätte das natürlich gerne und würde sich freuen. Aber ich kenne mich. Wenn der Zeitpunkt da ist, an dem ich das Gefühl habe, etwas zu sagen zu haben, dann entsteht eine neue Platte. Das geht dann meist recht schnell. Und Qualität geht über Quantität. Das ist meine Messlatte. Wir haben jetzt 13 Studioalben veröffentlicht. Momentan ist alles gesagt. Jetzt muss ich wieder etwas leben und erleben, um neue Inspiration zu finden.
bayreuth4U: Außerdem ist ja nach drei Nummer-Eins-Alben die Messlatte eh hoch.
Martin: Das sowieso. Das war schon nach dem ersten Album so. Aber den Druck sind wir gewohnt. Wir machen uns erstmal keinen. Es gibt eine große, weltweite Nachfrage nach Konzerten. Gerade das Ausland ist da sehr interessiert. Asien, Südamerika. Dort reist du anders als hier, wo du mit dem Nightliner reist. Wir wissen, wie anstrengend das ist. Die Distanzen dort sind krass, und das ist schon sehr kräftezehrend. Egal, wie viel man uns bietet: Momentan sind wir nicht bereit, so etwas zu machen. Da fahren wir lieber auf die Plassenburg als nach Shanghai, weil es schlichtweg einfacher ist. Auch wenn wir in China und Indien gerade sehr erfolgreich sind, muss nicht auf meinem Grabstein stehen, dass ich dort gespielt habe! Der reichste Mann auf dem Friedhof muss ich nicht sein.
bayreuth4U: Außerdem ist die Plassenburg eh schöner.
Martin: Ich bin sehr gespannt. Ich war, wie gesagt, noch nicht dort. Man hat uns mit der Location gelockt. Ich habe nur ein, zwei Bilder gesehen und mir gedacht, dass das passt.
bayreuth4U: Was ist dir eigentlich lieber: Kleine, intime Konzerte oder größere Open-Airs?
Martin: Das hat beides seinen Reiz. Das Konzert im ZENTRUM war eine komplette Ausnahme, so richtig klein. Symphonisch ist einfach ein ganz anderes Konzept als Mono Inc. selbst. Das sind auch für uns zwei unterschiedliche Produkte, das trennen wir auch strikt. Bei Symphonic ist es bestuhlt und möglichst klein gehalten. Das Konzept soll möglichst intim sein. Da erzähle ich auch mehr als bei einer Rockshow, die durchgetaktet ist mit Pyro etc. Die Arenatour vor 5000 Leuten und Vollgas geben macht natürlich Spaß. Die Open-Airs genieße ich besonders, weil es die Fans so gerne haben. Vor allem, wenn das Wetter passt. Letztes Jahr waren die im Nu ausverkauft. Es hat einfach mehr Eventcharakter.
bayreuth4U: Ihr habt auf der Position des Bassisten eine Rochade erlebt. Ilja John Lappin hat die Aufgabe übernommen. Wie kam es dazu?
Martin: Martin Purišić hat sich entschlossen, mit seinem Bruder Marko und dessen Band Baby Lasagna arbeiten zu wollen, die nach dem ESC steil gegangen sind. Manchmal macht das Universum verrückte Dinge. Als unser alter Bassist Manuel 2018 nach 18 Jahren ausgestiegen ist, habe ich als erstes Ilja gefragt, ob er sich das vorstellen kann. Damals hat er abgelehnt, da er andere Pläne hatte und hat mir eine Absage erteilt. Vier Jahre später war er dann doch dabei.
bayreuth4U: Du warst ja erst Schlagzeuger und deine Frau ist auch Sängerin. Habt ihr schonmal überlegt, die Rollen auf der Bühne zu tauschen?
Martin: Die Frage liegt in der Natur der Sache. Die hören wir immer wieder. Es ist so, dass ich gar keinen Bock mehr habe, zu trommeln und Katha hat gar keinen Bock, vorne zu stehen und zu singen. Ihr reicht, wenn ich sie bei der Rockshow für einen Song nach vorne hole. Sie ist froh, wenn sie wieder aus dem Scheinwerferlicht raus ist.
bayreuth4U: Und daheim? Dreht sich bei euch alles um Musik?
Martin: Gar nicht! Ich genieße daheim die Stille. Wenn man sich tagein, tagaus nur mit Musik beschäftigt hat, reicht es irgendwann. Privat höre ich noch nicht einmal Musik.
bayreuth4U: Was dürfen die Leute erwarten, wenn ihr auf der Bühne steht?
Martin: Ich habe noch keine Setlist gemacht. Wir werden sicher nicht das Set der Hallentour und auch kein Best-of spielen. Die großen Hits müssen wir spielen, ohne die lassen uns die Menschen nicht von der Bühne. Ein paar Überraschungen werden wir aber auch einbauen!
LIVE am 18. Juli auf der Plassenburg in Kulmbach. Tickets gibt‘s unter www.motion.gmbh oder an der Theaterkasse.

