Von Dinkelmüttern und Filterblasen

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Patrick Salmen gewann 2010 mit seinem Text „Rostrotkupferbraunfastbronze“ über Bärte und deren Bedeutung die deutschsprachigen Meisterschaften im Poetry Slam. Darauf folgten mehrere Kurzgeschichten-Sammlungen, zwei Rätselbücher, eine Lyriksammlung und zahlreiche Live-Auftritte. Am 16. Dezember liest der 33-Jährige im Liebesbier aus „Treffen sich zwei Träume. Beide platzen.“ Im Interview spricht er über sein neues Buch, seine Zukunftspläne und die Komik des Scheiterns.

bayreuth4U: Du bist Autor, Slam-Poet und Kabarettist. Was davon gefällt dir am besten?
Patrick Salmen: Am liebsten bin ich Autor. Das Schreiben an sich macht mir am meisten Freude, weil man sich schön in der Arbeit verlieren, seiner Fantasie nachgehen und sich über lustige Begebenheiten amüsieren kann. Es hilft mir auch sehr, Gedanken zu strukturieren und Geschichten zu erzählen.

bayreuth4U: Dein neues Buch heißt „Treffen sich zwei Träume. Beide platzen.“ Warum so negativ?
Patrick Salmen: Ach, das klingt negativer als es gemeint ist. Aber ich finde desillusionierende Geschichten und Geschichten vom Scheitern im weitesten Sinne meistens lustiger, als die, bei denen immer alles glatt läuft. Ich finde, im Scheitern steckt viel mehr Komik und teilweise lustige Tragik.

bayreuth4U: In deinem Buch erzählst du von Akademikervierteln in Großstädten – Biokisten, Ingwertee, der Kinderwagen als Statussymbol. Für dich ein Albtraum oder ertappst du dich selbst dabei, dass du dich in diesem Milieu heimisch fühlst?
Patrick Salmen: Es ist eine Mischung aus beidem. Man lebt so in seiner Filterblase in einem gut situierten Viertel und es macht schon Spaß, sich über solche Dinge aufzuregen, aber natürlich ertappt man sich dabei, wie man selber ein großer Teil davon ist. Ob das jetzt irgendwelche super stylischen Kinderwagen als Statussymbol sind oder diese ganze „Dinkelmüttermafiaumgebung“ in der man sich aufhält – da färbt natürlich Manches auf einen ab. Aber ich würde mich auch nicht darüber lustig machen, wenn ich nicht merken würde, dass ich Teil davon bin. Das wäre dann langweilig.

bayreuth4U: Also ist da auch Selbstironie dabei?
Patrick Salmen: Ja, natürlich. Das hat immer meinen Humor ausgezeichnet, dass ich mich nie über andere Leute lustig mache, vermeintlich über ihnen stehe und auf sie herabzeige. Sondern immer versuche, mich selbst darin widerzuspiegeln und mich am meisten über mich selber lustig zu machen. Das ist nunmal die größte Angriffsfläche, die man hat.

bayreuth4U: Woher nimmst du deine Ideen?
Patrick Salmen: Das kann alles sein. Oft sind es Gespräche, die ich aufschnappe, wenn ich im Café oder im Zug sitze. Wenn auf lustige Sätze oder lustige Begebenheiten – auch in der Zeitung und in Büchern – stoße, spinne ich die in meinem Kopf weiter und versuche, mich in so eine Situation hineinzuversetzen. Inspirierend können auch Gespräche mit Freunden oder ein Song im Radio sein, alles was der Alltag hergibt. Und ein Teil ist einfach an den Haaren herbeigezogen.

bayreuth4U: Hast du ein Vorbild, und wenn ja, wen?
Patrick Salmen: Nicht im klassischen Sinne. Aber was das Schreiben von Kurzgeschichten angeht, ist der Schweizer Autor Peter Bichsel ein großer Einfluss. Durch ihn habe ich gelernt, dass man viel Inhalt in wenige Sätze packen kann und nicht immer ganze Romane schreiben muss, um Geschichten schön erzählen zu können. Und dass man dem Leser auch Raum für seine eigene Fantasie lassen kann. Es gibt viele Menschen, die ich sehr gut finde, aber man versucht natürlich auch, seinen eigenen Stil zu finden, sein eigenes Ding zu machen.

bayreuth4U: Du hast dein Lehramtsstudium abgebrochen, um dich auf deine Künstlerkarriere zu fokussieren. Bist du heute mit dieser Entscheidung zufrieden?
Patrick Salmen: Ja, total. Selbst, wenn das irgendwann nicht mehr läuft und in fünf oder zehn Jahren niemand mehr meine Bücher liest oder zu meinen Lesungen kommt, bin ich jemand, der gerne selbstständig arbeitet und auf jeden Fall im Kulturbetrieb bleiben möchte. Das heißt, sofern ich irgendwann mal was anderes mache, wird das immer in diesem Umfeld bleiben. Ich gehe aber davon aus, dass ich noch ganz lange Bücher schreiben und auf Live-Tour sein werde, weil es mir einfach wahnsinnig viel Spaß macht und ich eine sehr treue Fangemeinde habe, die einfach auf meinen Humor steht und mich als Typ mag. Ich glaube, das hätte ich alles nie so machen können, wenn ich nebenbei noch gearbeitet hätte. Existenzängste habe ich nicht und ich bereue die Entscheidung keineswegs.

bayreuth4U: Worauf dürfen sich die Besucher bei deiner Lesung im Liebesbier freuen?
Patrick Salmen: Auf eine schöne Mischung aus Kurzgeschichten, Anekdoten, kleinen Gedichten, ein bisschen grobem Unfug und ein bisschen Battle-Rap. Es ist für alle etwas dabei, egal ob man auf Lyrik, flachen Humor oder Gesellschaftssatire steht. Das bin hundertprozentig ich, all meine Schatten vereint in 100 Minuten.

Patrick Salmen ist mit seinem Programm „Treffen sich zwei Träume. Beide platzen.“ am 16. Dezember im Liebesbier zu Gast. Tickets gibt es unter www.motion-kommunikation.de und an allen bekannten Vorverkaufsstellen.

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Patrick Salmen gewann 2010 mit seinem Text „Rostrotkupferbraunfastbronze“ über Bärte und deren Bedeutung die deutschsprachigen Meisterschaften im Poetry Slam. Darauf folgten mehrere Kurzgeschichten-Sammlungen, zwei Rätselbücher, eine Lyriksammlung und zahlreiche Live-Auftritte. Am 16. Dezember liest der 33-Jährige im Liebesbier aus „Treffen sich zwei Träume. Beide platzen.“ Im Interview spricht er über sein neues Buch, seine Zukunftspläne und die Komik des Scheiterns.

bayreuth4U: Du bist Autor, Slam-Poet und Kabarettist. Was davon gefällt dir am besten?
Patrick Salmen: Am liebsten bin ich Autor. Das Schreiben an sich macht mir am meisten Freude, weil man sich schön in der Arbeit verlieren, seiner Fantasie nachgehen und sich über lustige Begebenheiten amüsieren kann. Es hilft mir auch sehr, Gedanken zu strukturieren und Geschichten zu erzählen.

bayreuth4U: Dein neues Buch heißt „Treffen sich zwei Träume. Beide platzen.“ Warum so negativ?
Patrick Salmen: Ach, das klingt negativer als es gemeint ist. Aber ich finde desillusionierende Geschichten und Geschichten vom Scheitern im weitesten Sinne meistens lustiger, als die, bei denen immer alles glatt läuft. Ich finde, im Scheitern steckt viel mehr Komik und teilweise lustige Tragik.

bayreuth4U: In deinem Buch erzählst du von Akademikervierteln in Großstädten – Biokisten, Ingwertee, der Kinderwagen als Statussymbol. Für dich ein Albtraum oder ertappst du dich selbst dabei, dass du dich in diesem Milieu heimisch fühlst?
Patrick Salmen: Es ist eine Mischung aus beidem. Man lebt so in seiner Filterblase in einem gut situierten Viertel und es macht schon Spaß, sich über solche Dinge aufzuregen, aber natürlich ertappt man sich dabei, wie man selber ein großer Teil davon ist. Ob das jetzt irgendwelche super stylischen Kinderwagen als Statussymbol sind oder diese ganze „Dinkelmüttermafiaumgebung“ in der man sich aufhält – da färbt natürlich Manches auf einen ab. Aber ich würde mich auch nicht darüber lustig machen, wenn ich nicht merken würde, dass ich Teil davon bin. Das wäre dann langweilig.

bayreuth4U: Also ist da auch Selbstironie dabei?
Patrick Salmen: Ja, natürlich. Das hat immer meinen Humor ausgezeichnet, dass ich mich nie über andere Leute lustig mache, vermeintlich über ihnen stehe und auf sie herabzeige. Sondern immer versuche, mich selbst darin widerzuspiegeln und mich am meisten über mich selber lustig zu machen. Das ist nunmal die größte Angriffsfläche, die man hat.

bayreuth4U: Woher nimmst du deine Ideen?
Patrick Salmen: Das kann alles sein. Oft sind es Gespräche, die ich aufschnappe, wenn ich im Café oder im Zug sitze. Wenn auf lustige Sätze oder lustige Begebenheiten – auch in der Zeitung und in Büchern – stoße, spinne ich die in meinem Kopf weiter und versuche, mich in so eine Situation hineinzuversetzen. Inspirierend können auch Gespräche mit Freunden oder ein Song im Radio sein, alles was der Alltag hergibt. Und ein Teil ist einfach an den Haaren herbeigezogen.

bayreuth4U: Hast du ein Vorbild, und wenn ja, wen?
Patrick Salmen: Nicht im klassischen Sinne. Aber was das Schreiben von Kurzgeschichten angeht, ist der Schweizer Autor Peter Bichsel ein großer Einfluss. Durch ihn habe ich gelernt, dass man viel Inhalt in wenige Sätze packen kann und nicht immer ganze Romane schreiben muss, um Geschichten schön erzählen zu können. Und dass man dem Leser auch Raum für seine eigene Fantasie lassen kann. Es gibt viele Menschen, die ich sehr gut finde, aber man versucht natürlich auch, seinen eigenen Stil zu finden, sein eigenes Ding zu machen.

bayreuth4U: Du hast dein Lehramtsstudium abgebrochen, um dich auf deine Künstlerkarriere zu fokussieren. Bist du heute mit dieser Entscheidung zufrieden?
Patrick Salmen: Ja, total. Selbst, wenn das irgendwann nicht mehr läuft und in fünf oder zehn Jahren niemand mehr meine Bücher liest oder zu meinen Lesungen kommt, bin ich jemand, der gerne selbstständig arbeitet und auf jeden Fall im Kulturbetrieb bleiben möchte. Das heißt, sofern ich irgendwann mal was anderes mache, wird das immer in diesem Umfeld bleiben. Ich gehe aber davon aus, dass ich noch ganz lange Bücher schreiben und auf Live-Tour sein werde, weil es mir einfach wahnsinnig viel Spaß macht und ich eine sehr treue Fangemeinde habe, die einfach auf meinen Humor steht und mich als Typ mag. Ich glaube, das hätte ich alles nie so machen können, wenn ich nebenbei noch gearbeitet hätte. Existenzängste habe ich nicht und ich bereue die Entscheidung keineswegs.

bayreuth4U: Worauf dürfen sich die Besucher bei deiner Lesung im Liebesbier freuen?
Patrick Salmen: Auf eine schöne Mischung aus Kurzgeschichten, Anekdoten, kleinen Gedichten, ein bisschen grobem Unfug und ein bisschen Battle-Rap. Es ist für alle etwas dabei, egal ob man auf Lyrik, flachen Humor oder Gesellschaftssatire steht. Das bin hundertprozentig ich, all meine Schatten vereint in 100 Minuten.

Patrick Salmen ist mit seinem Programm „Treffen sich zwei Träume. Beide platzen.“ am 16. Dezember im Liebesbier zu Gast. Tickets gibt es unter www.motion-kommunikation.de und an allen bekannten Vorverkaufsstellen.

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