Live auf der Seebühne: Die Sportis im Interview

2026 feiern die Sportfreunde Stiller 30 Jahre Bandgeschichte und kommen am 13. August auch nach Bayreuth auf die Seebühne. Mit Andi Bär sprach Rüdiger „Rüde“ Linhof über Durchhaltevermögen, Neustarts und warum sich das Bandleben immer noch wie ein Geschenk anfühlt.

bayreuth4U: Hi Rüde! So früh schon fit? Warst du denn nicht in der Allianz Arena bei Bayern gegen Real Madrid?

Rüde: Nein, ich war nicht da. Ich habe mir nur die Zusammenfassung angesehen. Das war schon krass. Magisch. Aber es ging sich nicht aus. Peter und Flo sind da mit Vollgas drin. Das sind einfach absolute Fußballfans. Ich lag einfach ganz lang mit meiner Tochter umher. Das war schön und lustig.

bayreuth4U: Gibt es eure legendären Fußballmatches vor den Konzerten noch oder sind die mittlerweile eingestampft?

Rüde: Peter hat es aufgegeben. Wir sind beide Sportinvaliden. Flo probiert irgendwie immer, aufs Feld zu gehen. Zur Not ins Tor, das muss man sich mal vorstellen. Und bei Peter ist es Eishockey.  

bayreuth4U: Lass uns zur Musik kommen: „30 wunderbaren Jahren“. Ihr seid wieder auf Tour. Ist es selbstverständlich, dass es euch, die einstigen Jugendrevoluzzer, heute noch gibt – oder gab es Phasen, in denen das auf der Kippe stand?

Rüde: Ob wir jemals Revoluzzer waren weiß ich gar nicht. Wir waren und sind immer noch mit Spaß und engagiert im Leben. Das ist jetzt nicht so eine Sache der Jugend. Eine Band zu haben, ist in jedem Alter ein absolutes Privileg. Und dann so eine Band zu haben, mit guten Leuten und auch mit Leuten vor der Bühne, die auch etwas mit dem verbinden, was wir machen. Das ist ein riesiges Lebensgeschenk. Natürlich muss man schwitzen und leiden. Aber das muss man ja irgendwie in jedem Leben. Aber mit Band ist alles leicht, zumindest fühlt sich das für uns so an. Es ist leichter, tiefer, lauter und ehrlicher.

bayreuth4U: Wenn dir vor 30 Jahren jemand gesagt hätte, dass du immernoch mit Flo und Peter auf Tour bist und ihr weiterhin euren Spaß habt – was hättest du dem damals gesagt? 

Rüde: So einen Zeitraum kann man mit Anfang 20 gar nicht überblicken. Man schaut ganz anders aufs Leben. Für uns hat sich das ziemlich zeitlos angefühlt, weil es immer darum ging: Was steht als Nächstes an? Worauf haben wir Bock? Auf das zu schauen, was einen da vorne interessiert, sich auf das zu konzentrieren, was vor einem liegt und einen wirklich interessiert – das trägt unglaublich weit, vor allem in so einer Gemeinschaft wie einer Band. Da denkt man gar nicht in Jahren. Und trotzdem ist die Zeit offenbar vorübergegangen. Wir alle stehen staunend da und freuen uns, dass es uns immer noch gibt und wir durch alles gemeinsam durchgegangen sind. Im Schönen wie im Anstrengenden. Manchmal kommt man auch einfach weiter, indem man Dinge aushält, selbst wenn man gerade nicht immer eng zusammen ist. Aber im Großen und Ganzen sind wir da. Also, mich wundert es nicht, dass es uns noch gibt, aber es überrascht mich trotzdem.

bayreuth4U: Es war ja spannenderweise nach 20 Jahren mal kurz die Luft raus und ihr habt eine kleine Pause gemacht, die euch nicht schlecht getan hat. 

Rüde: Ja, das war wieder so ein Kapitel: Es passiert irgendwas, man weiß irgendwie gar nicht, wohin es einen führt, aber man muss es einfach akzeptieren. Irgendwas kommt immer dabei rum. Jetzt haben wir wieder zusammengefunden, und es ist schon die zweite Platte nach dieser Pause. Man hat für sich keine Antworten und die Zeit muss es irgendwie richten. Die Pause war phasenweise scheiße und gleichzeitig wichtig im Nachhinein. So hat alles irgendwann seinen Sinn. Schön, dass wir immer noch hier sind. 

bayreuth4U: Was ich extrem spannend finde: Bei Peter und Flo hat man mitgekriegt, was sie in der Pause gemacht haben. Es gibt nur wenig Infos, was du gemacht hast. Kann das sein?

Rüde: Ich mache eigentlich ganz schön viel, ich bin nur nicht auf Social Media. Ich hab den Kulturkonvoi (ein humanitäres Hilfsprojekt, Anm. d. Red.) gegründet. Ganz viele Sachen ausprobiert. Zeit genutzt, um das Leben kennenzulernen. Und dabei zu erfahren, wie cool es ist, eine Band zu haben. Ich hatte Zeit daheim und habe ganz viele Dinge ausprobiert. Und das Wichtigste war der Kulturkonvoi, meine aktivistische Seite ein bisschen auszuleben und Künstlern aus der Ukraine zu helfen. Für den Moment gibt es denen ganz viel Kraft, gesehen zu werden. Es sind oft einfach ganz junge Menschen, denen man diesen Wahnsinn aufzwingt. Es ist gut, gerade in Europa, füreinander da zu sein. Irgendwann hat sich herausgestellt, dass mir solche Dinge sehr liegen. 

bayreuth4U: Wenn wir die Zeit nochmal zurückdrehen, nicht ganz 30 Jahre: Ist dir eigentlich bewusst, dass Bayreuth eines der Sprungbretter war, die ihr damals hattet?

Rüde: Das Glashaus, das war das erste ausverkaufte Konzert. Das war einer dieser ersten Momente. Der Anfang dieses Weges, den man hinter sich legt, wenn man sich als Band hochspielt. Da häufen sich die guten Nachrichten. Das werden immer mehr Leute, da stehen dann nicht mehr nur drei oder fünf. Wow, Bayreuth. Ausverkauft! Das war riesig für uns.

bayreuth4U: Dann kam 1998 das Waldstock-Festival in Pegnitz.

Rüde: Da kann ich mich auch noch erinnern! Ich bin jetzt am überlegen – haben da auch Emil Bulls gespielt? Ja, wir sind mit unserem vollgepackten VW-Bus überall da hin gefahren, wo es eine Steckdose und ein Bier gab. Aufbauen, abbauen, abhauen. 

bayreuth4U:  Und dann kam das Uni-Open-Air 2000 auf dem Campus – und dann habt ihr Bayreuth 22 Jahre weg-
ignoriert, bevor ihr im Zentrum wart.

Rüde: Tatsächlich? Solche Schweine (lacht). Also, das ist ja der Wahnsinn. Wann spielen wir wieder in Bayreuth?

bayreuth4U: Am 13. August auf der Seebühne! Was dürfen die Leute denn erwarten?

Rüde: Also, wir sind jetzt schon am Proben, das muss man sich mal vorstellen. Da muss einem ja ganz bang werden. Wir haben eine Doku gemacht. Die wird über die ARD-Sendeanstalten gesendet. 90 Minuten über den ganzen Werdegang unserer Band, was für uns sehr berührend ist. Dann haben wir eine neue Platte im Gepäck. Also eine tolle neue Platte. Die ist super! Ja, und so werden wir ein paar neue Lieder spielen und einige alte Songs und wir machen einfach ein Spitzenkonzert. Heute früh haben wir übrigens schon über Bayreuth gesprochen. Wir haben um 8 Uhr ein Band-Meeting gehabt. Boah, das ist die Hölle! Aber Bayreuth wurde da schon erwähnt.

bayreuth4U: Was gibt es aus deiner Sicht noch zu sagen?

Rüde: Der Frühling kommt, der Sommer kommt, gute Laune! Lasst euch die Laune nicht vermiesen, nein, lasst sie euch versüßen. Man muss einfach, gerade heutzutage, verstärkt schauen, dass man nach vorne schaut und sich seine Luft nicht von irgendwelchen Idioten vermiesen lässt. 

bayreuth4U: Wir sind mit Fußball eingestiegen und enden damit: Mehmet Scholl sagte einst, im nächsten Leben wäre er gerne der Hund von Uli Hoeneß. Was wäre Rüde Linhof gerne?

Rüde: Vermutlich habe ich mir im letzten Leben gewünscht, Bandmusiker zu sein. Und da sich das jetzt erfüllt hat, dann wünsche ich mir im nächsten Leben, bei so einer Artemis-Mission dabei zu sein. Einmal die Welt in all ihrer Schönheit aus der Ferne sehen. Weil man ja immer weiter träumen muss!

Die Sportfreunde Stiller sind am 13. August live auf der Seebühne Bayreuth zu Gast. Letzte Tickets gibt es unter www.seebuehne-bayreuth.de

Beitrag teilen:

WhatsApp
Facebook
Email

Ähnliche Beiträge

Abriss mit Ansage: J.B.O. im Interview

Am 7. März kommt die fränkische Fun-Metal-Band J.B.O. ins ZENTRUM Bayreuth. Andi Bär sprach mit Sänger und Gitarrist Vito über dreieinhalb Jahrzehnte Bandgeschichte, befreundete Bands und über alles, was die

» weiterlesen