Cineplex trotzt Corona-Krise

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Film, Startseite

Für gewöhnlich befindet sich das Kinogeschäft von November bis März in der Hochsaison. Doch seit vier Monaten sind die Säle in den rund 1700 Kinos in Deutschland leer. Mit Cineplex-Geschäftsführer Michael Thomas haben wir ebenso über die derzeitigen Schwierigkeiten während der Corona-Pandemie wie über die Zukunft des Kinos gesprochen. 

In acht von zwölf Monaten blieb das Cineplex Bayreuth 2020 geschlossen. Untätig war das Kino-Team in der Zeit aber nicht – nach einigen Wochen Autokino auf dem Volksfestplatz durften die deutschen Kinos auch wieder Besucher empfangen. Allerdings – durch die Distanzregeln nur wenige. Und viel zu wenig, um die Kosten zu decken. Insgesamt musste das Cineplex im vergangenen Jahr auf 75% der Einnahmen verzichten. 

Um die finanziellen Einbußen auszugleichen, ist staatliche Hilfe gefragt. Ganz durchdacht scheint der Hilfsplan der Bundesregierung aber nicht zu sein, wie Michael Thomas bestätigt: Die Hilfen, die die Bundesregierung sich überlegt hat, erreichen uns nur zu einem sehr kleinen Teil. […] Die Antragsstellung ist viel zu kompliziert, keiner blickt durch. Es ist vielleicht gut gemeint, aber es passiert nichts. Und wenn wir nicht Rücklagen gebildet hätten, dann hätten wir jetzt ein ganz großes Problem – und ich weiß von Kollegen, bei denen das nicht mehr lange geht.“ 

Bedrohen Netflix & Co das Kinogeschäft zusätzlich? 

Während Kinos schwere finanzielle Einbußen hinnehmen müssen, erhalten Streaming-Dienste – vor allem jetzt in der Pandemie – immer mehr Zulauf. Für den 67-Jährigen, der die Thomas Filmtheaterbetriebe bereits in dritter Generation führt, ist das allein aber noch kein Grund zur Sorge.

„Unsere Alleinstellungsmerkmale sind einzigartig. Nirgendwo sonst kann man einen Film in der Form erleben, wie im Kino: Das Sitzen in einem abgedunkelten Saal, die ausschließliche Konzentration auf das, was auf der Leinwand passiert, ein guter Sound, ein bequemer Sitz und dann vielleicht noch Popcorn oder Nachos. Dann knistert das ein bisschen und zwischen den Kinogästen entwickelt sich so eine gemeinsame Grundstimmung, in der zwar jeder alleine ist und seine eigenen Gefühle erlebt, aber dennoch aufgehoben in der Gemeinschaft der Besucher im Kinosaal. Das ist etwas Unvergleichbares, das sich daheim niemals einstellen kann.“

Außerdem ist er sich sicher, dass viele Leute langsam genug von Netflix & Co haben: „Es wird irgendwann langweilig und die Leute haben keinen Bock mehr, daheim vor der Kiste zu sitzen. Man sieht ja – jetzt wo die Läden geschlossen sind ­ – wie plötzlich alle draußen in der Natur unterwegs sind. Die Leute wollen raus und wieder etwas gemeinsam erleben!“

Das größere Problem für die Kinobranche ist: Die großen Filmverleihfirmen nutzen die Möglichkeiten des Streamings zur Schadensbegrenzung. So verzichtete Disney bei Filmen wie „Mulan“ und dem Animationsabenteuer „Soul“ komplett auf einen Kinostart und bietet sie stattdessen auf der Plattform „Disney+“ an. Auch der Filmriese Warner Brothers zieht aus der aktuellen Krise herbe Konsequenzen: Im Jahr 2021 sollen alle Filme gleichzeitig im Kino und auf der hauseigenen Streaming-Plattform HBO Max veröffentlicht werden – zunächst nur in den USA. Der Blockbuster „Wonder Woman 1984“ schaffte es über den langjährigen Partner Sky auch nach Deutschland. Das werden die Kinos laut Michael Thomas allerdings nicht einfach so hinnehmen. „Wir werden dagegen kämpfen und sind über den Cineplex-Verbund gerade dabei, Konzepte zu entwickeln, wie wir uns dagegen wehren können.“

Wackelige Öffnungsperspektive 

Bis wieder Filme auf der großen Leinwand laufen dürfen, müssen sich Kinoliebhaber laut dem Öffnungsplan der Bundesregierung noch mindestens bis zum 22. März gedulden. Nach den jüngsten Beschlüssen der Bundesregierung soll frühestens dann bei einer stabilen 7-Tage-Inzidenz unter 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner die Öffnung von Theatern, Konzert- und Opernhäusern sowie Kinos erfolgen. Dass das so nicht umsetzbar ist, macht Michael Thomas ganz schnell deutlich:

 „Zum einen ist sich die Regierung wohl überhaupt nicht darüber im Klaren, dass wir als Kinobranche nicht mit einem x-beliebigen anderen Handelsunternehmen oder Geschäft, das bei gefüllten Lagern einfach wieder aufmachen kann, zu vergleichen sind. Wir brauchen einen erheblichen Vorlauf, nicht nur um die Waren – also Popcorn, Cola, Nachos usw. – zu bestellen. Noch viel entscheidender ist aber: Die Filmverleiher können nur dann Filme in den Markt bringen, wenn sie die Perspektive haben, dass sie deutschlandweit laufen können. Bei diesem Tohuwabohu – gebunden an irgendwelche Inzidenzwerte, die von Landkreis zu Landkreis und Woche für Woche anders sind, kann kein Verleiher dieses Risiko eingehen. […] Ich brauche nicht nur ein möglichst einheitliches Eröffnungsdatum in Deutschland, sondern auch einen Vorlauf für die Werbung. Filme müssen angeliefert werden, das alles braucht Zeit. Wir brauchen im Grunde einen Vorlauf von sechs bis acht Wochen, damit wir vernünftig planen können.“

Premium-Kino auf dem Dach des Cineplex

Trotz der großen Ungewissheit blickt Michael Thomas – auch dank der bevorstehenden Eröffnung des „Franz & Gloria“ – positiv in die Zukunft. Noch in diesem Jahr erhält das Bayreuther Cineplex Zuwachs von fünf neuen Premium-Kinosälen und einer Rooftop-Bar mit Blick auf das Festspielhaus. Ursprünglich war die Eröffnung für November 2020 geplant.

 „Wir sind durch coronabedingte Personalausfälle in den Firmen, mit denen wir zusammengearbeitet haben, nicht zum geplanten Zeitpunkt fertig geworden. Das war aber zum Glück nicht schlimm, weil wir sowieso nicht aufmachen durften. Nun sind fast alle Arbeiten abgeschlossen und wir werden wohl bis Ostern fertig werden.  Ich glaube allerdings nicht daran, dass wir bis dahin öffnen dürfen. Ich halte eine Eröffnungsperspektive frühestens im Mai für denkbar. Wir sind gerade dabei ein Eröffnungskonzept zu erstellen, wir werden zunächst das Haupthaus des Cineplex wieder öffnen und mit Abstand hinten nach das „Franz & Gloria“. Wir freuen uns darauf, das wird richtig toll da oben!“

Ein Autokino auf dem Volksfestplatz wird Michael Thomas hingegen nicht mehr anbieten. Wenn wir neue Filme hätten, ja – aber es gibt keine. Mangels Angebot macht das keinen Sinn. Für die Zukunft denken wir aber über Open Air Kino in Bayreuth nach. Dafür gibt es bereits Ideen, allerdings sehe ich das in diesem Jahr noch nicht.“

Blick nach vorne

Bis das Cineplex endlich wieder seine Türen öffnen darf, wird es wohl noch eine Weile dauern. Wer das Kino in der aktuellen Situation unterstützen möchte, kann zum Beispiel die Möglichkeit nutzen, über die Plattform „Cineplex Home“ Filme auszuleihen, dem Cineplex auf seinen Social Media- Kanälen folgen, um auf dem Laufenden zu bleiben oder – zum Beispiel zu den kommenden Ostertagen – Gutscheine kaufen. 

Obwohl die Enttäuschung gegenüber der Bundesregierung sehr deutlich zu erkennen ist, zeigt sich Michael Thomas entschlossen: „Wir sind im aktuellen Öffnungskonzept an vierter Stelle – stärker kann man im Grunde eine ganze Branche nicht entwerten. Das drückt schon ein bisschen aus, wo wir in der Prioritätsskala der Bundesregierung stehen. Wir werden trotzdem kämpfen und weiterhin das vorbereiten, was wir am liebsten machen: Sehenswerte Filme auf der großen Leinwand zeigen.“

Von Verena Sellheim

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Für gewöhnlich befindet sich das Kinogeschäft von November bis März in der Hochsaison. Doch seit vier Monaten sind die Säle in den rund 1700 Kinos in Deutschland leer. Mit Cineplex-Geschäftsführer Michael Thomas haben wir ebenso über die derzeitigen Schwierigkeiten während der Corona-Pandemie wie über die Zukunft des Kinos gesprochen. 

In acht von zwölf Monaten blieb das Cineplex Bayreuth 2020 geschlossen. Untätig war das Kino-Team in der Zeit aber nicht – nach einigen Wochen Autokino auf dem Volksfestplatz durften die deutschen Kinos auch wieder Besucher empfangen. Allerdings – durch die Distanzregeln nur wenige. Und viel zu wenig, um die Kosten zu decken. Insgesamt musste das Cineplex im vergangenen Jahr auf 75% der Einnahmen verzichten. 

Um die finanziellen Einbußen auszugleichen, ist staatliche Hilfe gefragt. Ganz durchdacht scheint der Hilfsplan der Bundesregierung aber nicht zu sein, wie Michael Thomas bestätigt: Die Hilfen, die die Bundesregierung sich überlegt hat, erreichen uns nur zu einem sehr kleinen Teil. […] Die Antragsstellung ist viel zu kompliziert, keiner blickt durch. Es ist vielleicht gut gemeint, aber es passiert nichts. Und wenn wir nicht Rücklagen gebildet hätten, dann hätten wir jetzt ein ganz großes Problem – und ich weiß von Kollegen, bei denen das nicht mehr lange geht.“ 

Bedrohen Netflix & Co das Kinogeschäft zusätzlich? 

Während Kinos schwere finanzielle Einbußen hinnehmen müssen, erhalten Streaming-Dienste – vor allem jetzt in der Pandemie – immer mehr Zulauf. Für den 67-Jährigen, der die Thomas Filmtheaterbetriebe bereits in dritter Generation führt, ist das allein aber noch kein Grund zur Sorge.

„Unsere Alleinstellungsmerkmale sind einzigartig. Nirgendwo sonst kann man einen Film in der Form erleben, wie im Kino: Das Sitzen in einem abgedunkelten Saal, die ausschließliche Konzentration auf das, was auf der Leinwand passiert, ein guter Sound, ein bequemer Sitz und dann vielleicht noch Popcorn oder Nachos. Dann knistert das ein bisschen und zwischen den Kinogästen entwickelt sich so eine gemeinsame Grundstimmung, in der zwar jeder alleine ist und seine eigenen Gefühle erlebt, aber dennoch aufgehoben in der Gemeinschaft der Besucher im Kinosaal. Das ist etwas Unvergleichbares, das sich daheim niemals einstellen kann.“

Außerdem ist er sich sicher, dass viele Leute langsam genug von Netflix & Co haben: „Es wird irgendwann langweilig und die Leute haben keinen Bock mehr, daheim vor der Kiste zu sitzen. Man sieht ja – jetzt wo die Läden geschlossen sind ­ – wie plötzlich alle draußen in der Natur unterwegs sind. Die Leute wollen raus und wieder etwas gemeinsam erleben!“

Das größere Problem für die Kinobranche ist: Die großen Filmverleihfirmen nutzen die Möglichkeiten des Streamings zur Schadensbegrenzung. So verzichtete Disney bei Filmen wie „Mulan“ und dem Animationsabenteuer „Soul“ komplett auf einen Kinostart und bietet sie stattdessen auf der Plattform „Disney+“ an. Auch der Filmriese Warner Brothers zieht aus der aktuellen Krise herbe Konsequenzen: Im Jahr 2021 sollen alle Filme gleichzeitig im Kino und auf der hauseigenen Streaming-Plattform HBO Max veröffentlicht werden – zunächst nur in den USA. Der Blockbuster „Wonder Woman 1984“ schaffte es über den langjährigen Partner Sky auch nach Deutschland. Das werden die Kinos laut Michael Thomas allerdings nicht einfach so hinnehmen. „Wir werden dagegen kämpfen und sind über den Cineplex-Verbund gerade dabei, Konzepte zu entwickeln, wie wir uns dagegen wehren können.“

Wackelige Öffnungsperspektive 

Bis wieder Filme auf der großen Leinwand laufen dürfen, müssen sich Kinoliebhaber laut dem Öffnungsplan der Bundesregierung noch mindestens bis zum 22. März gedulden. Nach den jüngsten Beschlüssen der Bundesregierung soll frühestens dann bei einer stabilen 7-Tage-Inzidenz unter 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner die Öffnung von Theatern, Konzert- und Opernhäusern sowie Kinos erfolgen. Dass das so nicht umsetzbar ist, macht Michael Thomas ganz schnell deutlich:

 „Zum einen ist sich die Regierung wohl überhaupt nicht darüber im Klaren, dass wir als Kinobranche nicht mit einem x-beliebigen anderen Handelsunternehmen oder Geschäft, das bei gefüllten Lagern einfach wieder aufmachen kann, zu vergleichen sind. Wir brauchen einen erheblichen Vorlauf, nicht nur um die Waren – also Popcorn, Cola, Nachos usw. – zu bestellen. Noch viel entscheidender ist aber: Die Filmverleiher können nur dann Filme in den Markt bringen, wenn sie die Perspektive haben, dass sie deutschlandweit laufen können. Bei diesem Tohuwabohu – gebunden an irgendwelche Inzidenzwerte, die von Landkreis zu Landkreis und Woche für Woche anders sind, kann kein Verleiher dieses Risiko eingehen. […] Ich brauche nicht nur ein möglichst einheitliches Eröffnungsdatum in Deutschland, sondern auch einen Vorlauf für die Werbung. Filme müssen angeliefert werden, das alles braucht Zeit. Wir brauchen im Grunde einen Vorlauf von sechs bis acht Wochen, damit wir vernünftig planen können.“

Premium-Kino auf dem Dach des Cineplex

Trotz der großen Ungewissheit blickt Michael Thomas – auch dank der bevorstehenden Eröffnung des „Franz & Gloria“ – positiv in die Zukunft. Noch in diesem Jahr erhält das Bayreuther Cineplex Zuwachs von fünf neuen Premium-Kinosälen und einer Rooftop-Bar mit Blick auf das Festspielhaus. Ursprünglich war die Eröffnung für November 2020 geplant.

 „Wir sind durch coronabedingte Personalausfälle in den Firmen, mit denen wir zusammengearbeitet haben, nicht zum geplanten Zeitpunkt fertig geworden. Das war aber zum Glück nicht schlimm, weil wir sowieso nicht aufmachen durften. Nun sind fast alle Arbeiten abgeschlossen und wir werden wohl bis Ostern fertig werden.  Ich glaube allerdings nicht daran, dass wir bis dahin öffnen dürfen. Ich halte eine Eröffnungsperspektive frühestens im Mai für denkbar. Wir sind gerade dabei ein Eröffnungskonzept zu erstellen, wir werden zunächst das Haupthaus des Cineplex wieder öffnen und mit Abstand hinten nach das „Franz & Gloria“. Wir freuen uns darauf, das wird richtig toll da oben!“

Ein Autokino auf dem Volksfestplatz wird Michael Thomas hingegen nicht mehr anbieten. Wenn wir neue Filme hätten, ja – aber es gibt keine. Mangels Angebot macht das keinen Sinn. Für die Zukunft denken wir aber über Open Air Kino in Bayreuth nach. Dafür gibt es bereits Ideen, allerdings sehe ich das in diesem Jahr noch nicht.“

Blick nach vorne

Bis das Cineplex endlich wieder seine Türen öffnen darf, wird es wohl noch eine Weile dauern. Wer das Kino in der aktuellen Situation unterstützen möchte, kann zum Beispiel die Möglichkeit nutzen, über die Plattform „Cineplex Home“ Filme auszuleihen, dem Cineplex auf seinen Social Media- Kanälen folgen, um auf dem Laufenden zu bleiben oder – zum Beispiel zu den kommenden Ostertagen – Gutscheine kaufen. 

Obwohl die Enttäuschung gegenüber der Bundesregierung sehr deutlich zu erkennen ist, zeigt sich Michael Thomas entschlossen: „Wir sind im aktuellen Öffnungskonzept an vierter Stelle – stärker kann man im Grunde eine ganze Branche nicht entwerten. Das drückt schon ein bisschen aus, wo wir in der Prioritätsskala der Bundesregierung stehen. Wir werden trotzdem kämpfen und weiterhin das vorbereiten, was wir am liebsten machen: Sehenswerte Filme auf der großen Leinwand zeigen.“

Von Verena Sellheim

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