Comedy mit Party-Faktor: Suchtpotenzial im Interview

Hier geht es zu unseren Social-Media-Seiten

Instagram
Kunst & Bühne, Startseite

Ariane Müller und Julia Gámez Martin alias Suchtpotenzial zählen zu den spannendsten Acts der deutschen Comedyszene.  Am 25.11. ist das Duo, das in diesem Jahr auch den Bayerischen Kabarettpreis in seinem Trophäenschrank verstauen durfte, im Rahmen des Comedyherbsts zum ersten Mal in Bayreuth live zu erleben. Im ZENTRUM präsentieren die beiden ihr aktuelles Programm „Sexuelle Belustigung“.  Im Vorfeld sprachen wir mit Ariane Müller über Sexismus,  Hasskommentare und den Party-Faktor auf der Bühne

bayreuth4U: Nach fast zwei Jahren Ausnahmezustand – wie geht es euch?

Ariane: Danke, sehr gut. Wobei, auf Tour ist manchmal was mit der Verdauung nicht okay …

bayreuth4U: Im Gegenteil zu manch anderen Kulturschaffenden wart ihr auch während des Lockdowns äußerst aktiv, ob über Social Media, in Autokinos oder bei einer gestreamten Wunschkonzert-Reihe aus dem Roxy Ulm. Wie habt ihr diese Zeit erlebt? 

Ariane: Auch in Lockdown Zeiten haben wir unser Motto gelebt: Wir machen jeden Scheiß mit und lassen keine Party aus. Somit sind wir im absurden Rahmen von Stream-Shows ohne Publikum oder auf Parkplätzen vor Autos steril eskaliert, haben auf Distanz gepodcastet und eine Sitcom gedreht. Aber ganz ehrlich: Theater mit echtem Publikum ist für uns das Geilste.

bayreuth4U: Ihr stammt beide ja eigentlich aus der Musical-Szene. Wie kam es überhaupt zu Suchtpotenzial? 

Ariane: Wie´s halt so läuft, am Theater kennengelernt, abends beim Feierabendbier beschlossen Hits zu schreiben, der Rest ist Geschichte (lacht).

bayreuth4U: Programmtitel wie „100 Prozent Alko-Pop“ oder „Sexuelle Belustigung“ klingen auf den ersten Blick nach Sex, Drugs & Rock‘n‘Roll, in euren Songs stecken hingegen klare politische Botschaften gegen Sexismus oder Diskriminierung. Wie hoch ist der tatsächliche Party-Faktor auf euren Konzerten?

Ariane: Der Party-Faktor auf der Bühne ist sehr hoch: Julia tanzt, brüllt rum und ich haue gewaltig in die Tasten. Das Publikum dagegen kann sich entspannt sitzend mit einem Getränk diesen Irrsinn anschauen, darf laut lachen und mitsingen… das überlassen wir jedem Einzelnen.

bayreuth4U: In eurem Ohrwurm „Genauso Scheiße“ kritisiert ihr die mangelnde Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern. Wie weit ist der Weg, den wir als Gesellschaft hier noch gehen müssen?

Ariane: Etwa 18%.

bayreuth4U: Spätestens mit der Debatte um Luke Mockridge hat die Me-Too-Debatte auch die deutsche Comedyszene erreicht. Welche Erfahrungen habt ihr selbst mit Sexismus in der Kulturbranche machen müssen? 

Ariane:  Da es bei #metoo Fällen letztendlich um Machtverhältnisse geht, haben wir am sehr hierarchisch geprägten und männerdominierten Theater viel Schlimmes erlebt und gesehen. Als unabhängiges und erfolgreiches Duo dagegen bleibt uns das auf Tour erspart. Wir machen Gags darüber, wie wir jetzt die Techniker und Praktikanten belästigen, um zu zeigen, wie es andersrum läuft. Natürlich gibt es in der Kultur auch strukturelle Benachteiligung von Frauen, was man in vielen Spielplänen sehen kann. Das wollen wir natürlich ändern!

bayreuth4U: Für eure klaren Texte werdet ihr in den sozialen Medien auch angefeindet. Einige Hasskommentare habt ihr im Song „Shitstorm Blues“ verarbeitet. Wie nah lasst ihr so etwas an euch rankommen?

Ariane: Als Therapie lesen wir uns auf langen Fahrten die Kommentare vor, machen uns drüber lustig, veröffentlichen die Schlimmsten und machen wie beim „Shitstorm Blues“ Songs draus. Dann haben uns die Beleidigungen künstlerisch weitergebracht und das Gegenteil bewirkt. 

bayreuth4U: Bei so viel Suchtpotenzial: Wonach seid ihr selbst süchtig?

Ariane: Von Kaffee bis Musik zu Serien gibt es da so Einiges. Und zu fast allem auch einen Song!

bayreuth4U: Am 25. November feiert ihr eure Premiere in Bayreuth. Was erwartet das Publikum bei den Suchtpotenzial-Festspielen? 

Ariane: Wir werden mit unseren Songs und Gags versuchen die Leute zum Lachen und Klatschen zu bringen. Und wenn alles scheitert, können wir immer noch eine Wagner-Oper spielen. 

UPDATE vom 12.11.2021:
Leider hat uns die Nachricht erreicht, dass Ariane und Julia ihre für diesen Monat geplante Tour durch Bayern nicht durchführen können – darunter auch das Konzert am 25.11.21 im ZENTRUM Bayreuth. Der Auftritt wird verlegt, Infos zu einem Ersatztermin folgen in Kürze. Das Duo, soeben erst mit dem Bayerischen Kabarettpreis ausgezeichnet, hat uns dazu Folgendes geschrieben: 
„Aufgrund der neuen gesetzlichen Bestimmungen in Bayern bzgl. der Corona-Pandemie können wir unsere Auftritte in Bayern im Moment nicht so durchführen, wie wir uns das wünschen. Deshalb müssen wir leider die Auftritte auf einen neuen Termin verschieben. Wir arbeiten schon daran, ein Ersatztermin wird in Kürze bekannt gegeben.  
Es tut uns wirklich sehr leid, bitte seid nicht böse und bleibt uns treu! Wir sind traurig und hoffen, dass es bald wieder bessere Zeiten geben wird!
Eure Suchties.“

Comedy mit Party-Faktor: Suchtpotenzial im Interview

Kunst & Bühne, Startseite

Hier gehts zu unseren Social-Media-Seiten

Instagram

Ariane Müller und Julia Gámez Martin alias Suchtpotenzial zählen zu den spannendsten Acts der deutschen Comedyszene.  Am 25.11. ist das Duo, das in diesem Jahr auch den Bayerischen Kabarettpreis in seinem Trophäenschrank verstauen durfte, im Rahmen des Comedyherbsts zum ersten Mal in Bayreuth live zu erleben. Im ZENTRUM präsentieren die beiden ihr aktuelles Programm „Sexuelle Belustigung“.  Im Vorfeld sprachen wir mit Ariane Müller über Sexismus,  Hasskommentare und den Party-Faktor auf der Bühne

bayreuth4U: Nach fast zwei Jahren Ausnahmezustand – wie geht es euch?

Ariane: Danke, sehr gut. Wobei, auf Tour ist manchmal was mit der Verdauung nicht okay …

bayreuth4U: Im Gegenteil zu manch anderen Kulturschaffenden wart ihr auch während des Lockdowns äußerst aktiv, ob über Social Media, in Autokinos oder bei einer gestreamten Wunschkonzert-Reihe aus dem Roxy Ulm. Wie habt ihr diese Zeit erlebt? 

Ariane: Auch in Lockdown Zeiten haben wir unser Motto gelebt: Wir machen jeden Scheiß mit und lassen keine Party aus. Somit sind wir im absurden Rahmen von Stream-Shows ohne Publikum oder auf Parkplätzen vor Autos steril eskaliert, haben auf Distanz gepodcastet und eine Sitcom gedreht. Aber ganz ehrlich: Theater mit echtem Publikum ist für uns das Geilste.

bayreuth4U: Ihr stammt beide ja eigentlich aus der Musical-Szene. Wie kam es überhaupt zu Suchtpotenzial? 

Ariane: Wie´s halt so läuft, am Theater kennengelernt, abends beim Feierabendbier beschlossen Hits zu schreiben, der Rest ist Geschichte (lacht).

bayreuth4U: Programmtitel wie „100 Prozent Alko-Pop“ oder „Sexuelle Belustigung“ klingen auf den ersten Blick nach Sex, Drugs & Rock‘n‘Roll, in euren Songs stecken hingegen klare politische Botschaften gegen Sexismus oder Diskriminierung. Wie hoch ist der tatsächliche Party-Faktor auf euren Konzerten?

Ariane: Der Party-Faktor auf der Bühne ist sehr hoch: Julia tanzt, brüllt rum und ich haue gewaltig in die Tasten. Das Publikum dagegen kann sich entspannt sitzend mit einem Getränk diesen Irrsinn anschauen, darf laut lachen und mitsingen… das überlassen wir jedem Einzelnen.

bayreuth4U: In eurem Ohrwurm „Genauso Scheiße“ kritisiert ihr die mangelnde Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern. Wie weit ist der Weg, den wir als Gesellschaft hier noch gehen müssen?

Ariane: Etwa 18%.

bayreuth4U: Spätestens mit der Debatte um Luke Mockridge hat die Me-Too-Debatte auch die deutsche Comedyszene erreicht. Welche Erfahrungen habt ihr selbst mit Sexismus in der Kulturbranche machen müssen? 

Ariane:  Da es bei #metoo Fällen letztendlich um Machtverhältnisse geht, haben wir am sehr hierarchisch geprägten und männerdominierten Theater viel Schlimmes erlebt und gesehen. Als unabhängiges und erfolgreiches Duo dagegen bleibt uns das auf Tour erspart. Wir machen Gags darüber, wie wir jetzt die Techniker und Praktikanten belästigen, um zu zeigen, wie es andersrum läuft. Natürlich gibt es in der Kultur auch strukturelle Benachteiligung von Frauen, was man in vielen Spielplänen sehen kann. Das wollen wir natürlich ändern!

bayreuth4U: Für eure klaren Texte werdet ihr in den sozialen Medien auch angefeindet. Einige Hasskommentare habt ihr im Song „Shitstorm Blues“ verarbeitet. Wie nah lasst ihr so etwas an euch rankommen?

Ariane: Als Therapie lesen wir uns auf langen Fahrten die Kommentare vor, machen uns drüber lustig, veröffentlichen die Schlimmsten und machen wie beim „Shitstorm Blues“ Songs draus. Dann haben uns die Beleidigungen künstlerisch weitergebracht und das Gegenteil bewirkt. 

bayreuth4U: Bei so viel Suchtpotenzial: Wonach seid ihr selbst süchtig?

Ariane: Von Kaffee bis Musik zu Serien gibt es da so Einiges. Und zu fast allem auch einen Song!

bayreuth4U: Am 25. November feiert ihr eure Premiere in Bayreuth. Was erwartet das Publikum bei den Suchtpotenzial-Festspielen? 

Ariane: Wir werden mit unseren Songs und Gags versuchen die Leute zum Lachen und Klatschen zu bringen. Und wenn alles scheitert, können wir immer noch eine Wagner-Oper spielen. 

UPDATE vom 12.11.2021:
Leider hat uns die Nachricht erreicht, dass Ariane und Julia ihre für diesen Monat geplante Tour durch Bayern nicht durchführen können – darunter auch das Konzert am 25.11.21 im ZENTRUM Bayreuth. Der Auftritt wird verlegt, Infos zu einem Ersatztermin folgen in Kürze. Das Duo, soeben erst mit dem Bayerischen Kabarettpreis ausgezeichnet, hat uns dazu Folgendes geschrieben: 
„Aufgrund der neuen gesetzlichen Bestimmungen in Bayern bzgl. der Corona-Pandemie können wir unsere Auftritte in Bayern im Moment nicht so durchführen, wie wir uns das wünschen. Deshalb müssen wir leider die Auftritte auf einen neuen Termin verschieben. Wir arbeiten schon daran, ein Ersatztermin wird in Kürze bekannt gegeben.  
Es tut uns wirklich sehr leid, bitte seid nicht böse und bleibt uns treu! Wir sind traurig und hoffen, dass es bald wieder bessere Zeiten geben wird!
Eure Suchties.“

Menü