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Mitmachen beim Projekt Innenstadt

Dass Karstadt bleibt ist natürlich eine gute und wichtige Nachricht, löst aber natürlich nicht alle Probleme der Bayreuther Innenstadt

Von Gert Dieter Meier

Man spürte förmlich das kollektive Aufatmen nach der eher unerwarteten Frohbotschaft: Karstadt bleibt! Bayreuth behält sein Kaufhaus, die Fußgängerzone ist gerettet! Champagnerlaune in der Wagnerstadt.

Eine gute, nein: sehr gute Nachricht, ganz bestimmt! Freilich nur dann, wenn Karstadt nach der unternehmerischen Last-Minute-Entscheidung wirklich ernst macht mit seiner Ankündigung, das Kaufhaus zu modernisieren und neu aufzustellen. Denn es entspricht längst nicht mehr den Erwartungen der Kunden heute. Die Verbraucher wollen nicht nur einkaufen, sie wollen dabei auch von fachkundigem Personal beraten werden. Sie wollen als Kundinnen und Kunden wertgeschätzt werden. Durch Zeit, die man sich für die Beratung nimmt. Durch Angebotsvielfalt. Durch ein besonderes Ambiente. Durch passgenaue Serviceleistungen. Nur wer das macht, wird am Markt erfolgreich sein. 

Wie soll sie aussehen, unsere Innenstadt?

Angebotsvielfalt, besonderes Ambiente, Serviceleistungen – diese Schlagworte beschreiben nicht nur Handlungsbereiche für den angeschlagenen Kaufhauskonzern, sie gehören auch zur Aufgabenbeschreibung beim Duaerbrennerthema „Innenstadt von morgen“. Wie soll sie aussehen, die Innenstadt der Zukunft? Was soll sie auszeichnen, ausmachen? Geht es vor allem um Kneipen und Läden? Oder ist Innenstadt nicht viel mehr – nämlich Leben, Wohnen und Treffpunkt, Arbeits- und Kulturort? Und wenn sie all das wäre: Soll man diese Innenstadt noch stärker als bisher von Autos befreien oder womöglich – Stichwort E-Mobilität – die Autos sogar wieder in die Stadt holen?

Seit Sommer 2021 läuft der vom Stadtrat angestoßene Innenstadtprozess. Es gab (virtuelle) Bürgerforen zu den Themen Nachhaltigkeit/Umwelt, Einkauf /Gastromnomie/ Kultur/Veranstaltungen sowie Wohnen/Arbeiten. Wer seinerzeit nicht dabei sein konnte, kann die interessanten und präzisen Dokumentation dieser Foren und diverse Impulsvorträge auf der Internetseite der Stadt nachlesen: https://www.bayreuth.de/wirtschaft-forschung/wirtschaftsstandort/stadtteile/innenstadtprozess/bericht-buergerforum/ Es wurde also schon jede Menge wertvoller Vorarbeit geleistet. Diese nachzulesen lohnt in jedem Fall.

Der Innenstadt-Turbo

Nun startet das Projekt durch – und zündet womöglich den Innenstadt-Turbo. Denn es beginnt nun ­ Vorsicht: Wortungetüm! – der „Dialogorientierte Strategieprozess 2023“. Zitat: „Für eine attraktive, multifunktionale und lebenswerte Innenstadt, die auch in Zukunft den Mittelpunkt der Stadt und der Bayreuther darstellen soll und von allen Gruppen der Gesellschaft gern besucht wird, stellt sich die Frage „Wohin soll sich die Bayreuther Innenstadt entwickeln?“ und „Wie könnten Leitlinien für eine gemeinschaftliche Innenstadtentwicklung aussehen und unterstützt werden?“. Hierbei ist das Spannungsfeld zwischen „Veränderungen als Chance sehen und Räume für Innovatives und Alternatives schaffen“ und „gewachsene Strukturen bewahren“ im Prozess zu berücksichtigen.

Einfach ausgedrückt: Zu den „Bayreuther“ Vorstellungen, die bisherig zusammengetragen wurden, gesellt sich jetzt der berühmt-berüchtigte „Blick von außen“. Das Dortmunder Stadtplanungsbüro „Stadt + Handel“, das jede Menge Kompetenz und Fachwissen aus vergleichbaren Prozessen in anderen Städten mitbringt, wird den Prozess nunmehr moderieren und weiter gestalten. Wie Projektleiter Jens Nußbaum das weitere Vorgehen sieht, kann man in seinem spannenden Impulsvortrag, den er am 6. März im ZENTRUM gehalten hat, nachlesen: https://www.bayreuth.de/wp-content/uploads/2023/03/sh_bayreuth_strategieprozess_impuls-vortrag_oeffentliche-Version_2023-03-09.pdf

Projekt für alle Akteure

Das Beste an diesem Prozess: Es handelt sich nicht um einen fertigen Plan irgendeines Büros, den der Stadtrat nur noch abnicken und finanzieren muss, sondern um ein Projekt, bei dem jede und jeder mitmachen kann. Und soll! Denn je mehr Akteurinnen und Akteure aus den verschiedensten Perspektiven sich einbringen, desto runder und bunter könnte am Ende auch das Gesamtbild werden, das als Grundlage für die Innenstadt der Zukunft entwickelt wird. Es braucht zwangsnotwenig die Perspektive der Jungen, es braucht auch die Meinung von Familien und älteren Menschen. Insofern die wichtige Botschaft an alle, die eine Idee für Bayreuth haben beziehungsweise an der Zukunft der Stadt mitarbeiten wollen: Macht mit!  

Mitmachen ausdrücklich erwünscht

Die Zusicherung des Stadtplanungsbüros und aller Projektbeteiligten: „Für die nachfolgenden Termine im Prozess werden je nach Beteiligungsformat und Zielgruppe die Interessenten direkt eingeladen oder es wird u.a. hier öffentlich informiert. Bei Interesse sich in den Prozess einzubringen, können Sie sich unter Innenstadtprozess@stadt.bayreuth.de melden.“

Vielfalt ist Trumpf

Natürlich sind diese Prozesse nicht immer das reine Vergnügen, sondern Treffen bisweilen zäh, kontrovers und mitunter auch extrem anstrengend. Aber das kann angesichts der vielfältigen Innenstadtmodelle, die junge und alte Menschen, Bewohner und Arbeitnehmer, Pendler und Besucher im Kopf haben, auch gar nicht anders sein. Aber je bunter der Kreis und je offener der Meinungsaustausch, desto besser und vielfältiger werden am Ende die Ergebnisse sein. 

Gutes Signal der Stadt

Dass die Stadt ihrerseits für diese Form der Projektarbeit und die Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger offen ist, ist ein notwendiges, aber auch überaus positives Signal. Jetzt müssen die Menschen sich nur noch in das Projekt einbringen, gerade in den gerade angelaufenen Strategieprozess. Es geht schließlich um unsere Innenstadt…

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