Das frechste Nashorn der Welt ist zurück! Seit rund sechs Jahren versorgt DIKKA als rappendes „Reimnozeros“ Kids mit dikken Reimen und fetten Beats. Mit seinem vierten Album „BOAH ist das krass“ ist DIKKA am 10. Oktober in der Oberfrankenhalle Bayreuth live zu erleben.
bayreuth4U: Du bist als rappendes Nashorn unterwegs und füllst die größten Hallen des Landes. Wie kam eigentlich die Idee zu DIKKA?
Dikka: Eine kleine Nashornfreundin hat mich gefragt, ob wir nicht mal coole Kinderlieder hören können. Und schon nach kurzer Recherche war mir klar, dass da wirklich etwas fehlt. Musik für Kinder auf Augenhöhe, Musik für die ganze Familie – die Möglichkeit, dass alle zusammen im Auto mit runtergelassenen Scheiben und Sonnenbrille mithören können, ohne dass eine der beiden Parteien nach kurzer Zeit das Handtuch wirft. Ich habe das alles schon ab 2018 geplant und in mir wirken lassen. Richtig raus wollte es dann kurze Zeit danach.
bayreuth4U: Wie kam der Moment, in dem du wusstest: Jetzt mach ich Musik für Kinder?
Dikka: Kinder sind unsere Zukunft und die wichtigsten Menschen auf diesem Planeten. Leider sehen das die Großen oft nicht so ganz, weil sie zu sehr im Tunnelblick sind – Briefe öffnen, Rechnungen zahlen und so. Mir ist einfach aufgefallen, dass es viel zu wenig gute Kindermusik gibt, die mir persönlich auch gefällt. Deshalb kümmere ich mich jetzt darum. Und wenn Tausende Kinder „GLÜCKLICH“ rufen auf die Frage „Was willst du werden, wenn du groß bist?“ – könnte der Moment nicht schöner und mein Platz nicht richtiger sein.
bayreuth4U: Warum ist DIKKA eigentlich ein Nashorn?
Dikka: Haha, um ehrlich zu sein war es das einzige Tier, das noch nicht besetzt war. Und im Nachhinein finde ich Nashörner extrem cool und unterschätzt. Ganz dünnes Fell, ganz dicke Haut. Und natürlich schwer in Ordnung. Es gibt Panzernashörner und Breitmaulnashörner – ich bin eine ganz eigene Spezies: Frechmaulnashorn. Nebenbei bin ich mittlerweile Nashorn-Botschafter für den NABU in Asien und Afrika und Artenschutzbeauftragter für Nashörner im Berliner Zoo. Nashörner sind sehr schützenswert.
bayreuth4U: Warum heißt du eigentlich DIKKA?
Dikka: DIKKA ist mein Nashornname. Den haben mir meine Eltern gegeben. DÜNNER hätte ja nicht so zu einem Dickhäuter wie mir gepasst.
bayreuth4U: Wieso bist du als Nashorn verkleidet?
Dikka: Wieso seid ihr als Mensch verkleidet? Oder meint ihr meine Kette? Sie ist aus echtem Nashorngold. Supercool oder?
bayreuth4U: Deine Musik klingt nach echtem Hip-Hop – wer hat dich musikalisch geprägt?
Dikka: Alle, die damals coole Songs gemacht haben. Das lässt sich nicht runterbrechen auf einzelne Künstlerinnen oder Künstler. Wahrscheinlich ist es genau wie bei den Nashornliedern – entweder man fühlt sie oder man fühlt sie nicht. Ich versuche natürlich immer einen doppelten Boden reinzubringen und die Eltern genauso zu entertainen wie die Kinder. Und das funktioniert hervorragend. Es ist wundervoll zu sehen, wie die Eltern auf den Konzerten feiern und abgehen. Manchmal singen sie lauter als die Kinder…
bayreuth4U: Warum ist Rap so ein gutes Format für Kindermusik?
Dikka: Rap ist an sich ein sehr gutes Format, denn man kann seine Gefühle super auf den Punkt bringen. Man hat textlich sehr viele Möglichkeiten, tolle Sachen zu sagen. Dadurch, dass es sich reimt, können die Kinder sich das noch viel besser merken. Außerdem ist Rap die Musik unserer ganzen Generation – wir sind alle mit ihr aufgewachsen. Ich freue mich unfassbar zu sehen, dass sie jetzt eine Generation weiterhüpft. Und alle Eltern können ihren Kindern zeigen, was sie selbst als Kind am meisten gefeiert haben. Das ist ein sehr schönes Gefühl.
bayreuth4U: DIKKA, deine Musik klingt anders als das, was man sonst so im Kinderradio hört. Was macht den DIKKA-Sound besonders?
Dikka: Die Aufrichtigkeit. Ich versuche alles immer direkt aus dem Herzen zu schreiben, in der Hoffnung, dass es woanders auch direkt wieder reingeht. Unser musikalischer Anspruch ist extrem hoch und alle Instrumente sind echt eingespielt. Teilweise arbeiten wir mit dem Deutschen Sinfonieorchester oder den Musikern von Seeed zusammen.
bayreuth4U: Viele Eltern suchen nach Musik abseits der üblichen Kinderlieder. Was macht DIKKA anders?
Dikka: Kinder werden heutzutage viel zu selten ernstgenommen. Wenn ich mit dem Anspruch herangegangen wäre, einfach „Kindermusik“ zu machen – wäre es anders ausgegangen. So ist es durch die Bank ernstzunehmende Musik für Klein und Groß. Alle Instrumente werden live eingespielt. Die Musik soll zeitlos sein – und die Kinder sind offensichtlich sehr dankbar, dass sie endlich ernst genommen werden. Sowohl in den Texten als auch in der Musik.
bayreuth4U: Achtest du beim Schreiben darauf, Eltern und Kinder gleichermaßen abzuholen? Manche Songs haben Anspielungen, die Erwachsene schmunzeln lassen – ist das Absicht?
Dikka: Ich schreibe die Lieder in erster Linie für die Kinder. In allen Erwachsenen schlummert auch immer noch ein Kind – aber meistens klingelt da keiner mehr und fragt, ob das Kind runterkommen möchte zum Spielen. Bei DIKKA haben auch die ganz großen Kinder das Gefühl, endlich wieder mitspielen zu dürfen. Mit einem Frechmaulnashorn wird es nie langweilig. Alle Supermamas, Superpapas, Superomas, Superonkel, Superschwippschwager feiern mit. Die Großen werden das ein oder andere musikalische Zitat entdecken, mit dem sie selbst vor der Boombox aufgewachsen sind – und dann beobachte ich, wie sie Rap-Musik an ihre nächste Generation weitergeben. Eine Erinnerung, die alle teilen können. Friedlich, frech, mutig, bunt und glücklich.
bayreuth4U: Welche Themen liegen dir besonders am Herzen – und gibt es Themen, die du erst gar nicht anpacken wolltest, die dann aber doch wichtig wurden?
Dikka: Das sind eigentlich alle Themen, die Kinder stark und selbstbewusst machen und ihnen ein kleines Schweizer Taschenmesser mit auf den Weg geben, mit dem sie sich in der Welt da draußen besser zurechtfinden und verteidigen können. Lieder wie „Nein heißt Nein“, „Ich bin Ich“, „Traurigkeit“ oder „Zusammen“ haben etwas sehr Inkludierendes und zeigen den Kindern, dass sie toll so sind, wie sie sind – und dass sie sich nicht für andere verstellen müssen, um gemocht zu werden. Das ist ja meistens sowieso eine Sackgasse. Ich möchte mich auf die Themen konzentrieren, die ich gerne früher als Kind auch gehört hätte. Leider gab es da noch kein rappendes Nashorn. Hätte ich wirklich gebraucht…
bayreuth4U: Mit Stücken wie „Nein heißt Nein“ werden auch ernste Themen kindgerecht verhandelt. Wie entscheidest du, welche Themen du angehst?
Dikka: Die Themenauswahl entscheide ich komplett mit dem Bauch – mein inneres Kind spielt dabei eine extrem große Rolle. Es ist eine große Erleichterung zu sehen, wie gut Lieder wie „Nein heißt Nein“ bei den Kindern ankommen und wie viel Last sie auch den Eltern von den Schultern nehmen. Die Kinder vertrauen mir 100-prozentig, da ich einer von ihnen bin. Die Tatsache, dass sie die einzelnen Themen der Lieder als Schutz oder Lösungsvorschlag für ihre Probleme nehmen und daraus Selbstbewusstsein schöpfen – das macht mich unfassbar glücklich. Eltern schreiben mir oft, dass ich genau dahin komme, wo sie als Eltern niemals wirken könnten.
bayreuth4U: Worauf freust du dich am meisten bei deinen Konzerten?
Dikka: Am meisten freue ich mich darauf zu sehen, was die Musik mit den Kindern macht. Ich verstecke so viele kleine Affirmationen in den Liedern, die Kinderherzen größer, stärker, mutiger und frecher machen können. Manchmal habe ich das Gefühl, dass sich die Kinder in diesen 90 Minuten mehr emanzipieren als in einem Jahr zuhause. Sie stehen vorne alleine im Kinderbereich und feiern – und die Eltern rudern hinten mit den Armen, wollen helikoptern, kommen aber nicht mehr an die Kleinen ran. Das sieht von der Bühne manchmal sehr lustig aus.

