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18 Jahre lang prägte das Forum Phoinix in der Kämmereigasse 9 ½ mit unzähligen Ausstellungen, Konzerten, Film- und Sübkültür-Abenden das alternative Kulturleben der Stadt – bis Corona kam. Doch auch nach dem Ende der Pandemie wird es lange dauern, bis hier wieder Leben einkehrt. Am 31. Januar endete der Mietvertrag zwischen Stadt und Trägerverein, das zunehmend baufällige Haus wird nun in den kommenden Jahren saniert und zum Kunst- und Kulturhaus NEUNEINHALB umgebaut werden.

Ein heruntergekommener Altbau, ein Dutzend Mülltonnen vor dem Eingang, eine einzige Toilette und im Inneren ein Kachelofen, der gerade ausreichte, um im Winter bei Veranstaltungen nicht zu erfrieren. Es gibt viele Gründe, warum das Forum Phoinix als Kulturort in einer Stadt wie Bayreuth nie hätte funktionieren dürfen. Dass aus dem 2002 gestarteten Projekt dennoch eine Erfolgsstory wurde, ist zum einen dem Enthusiasmus und der Kreativität der Betreiber*innen zu verdanken, zum anderen aber auch den im Laufe der Jahre tausenden Besucher*innen, die hier etwas fanden, was sie in Bayreuth nie zu suchen gewagt hätten. Und selbst zufällig vorbeikommende Passanten konnten abends durch das große Schaufenster einen Blick riskieren und wenigstens für ein paar Momente am bunten Leben teilhaben.

„Bayreuth braucht kein Berlin“, stand auf einem der Aufkleber an der mit Stickern übersäten Tür zum Lagerraum des Hauses. Und wenn dieser Spruch auch nur einen Funken Wahrheit in sich trägt, ist dies zu keinem kleinen Teil dem Forum Phoinix zu verdanken, das auf den ersten Blick eher nach Kreuzberg zu gehören schien als ins gutbürgerliche, oft etwas behäbige Bayreuth. Die Idee zu dem Projekt entstand 2001, als eine kleine Gruppe lokaler Künstler*innen einen Ort für temporäre Ausstellungen suchte. Fündig wurde man mitten im Gassenviertel: Im Erdgeschoss eines Hauses, das fast 100 Jahre lang als Metzgerei gedient hatte und nun nach mehreren Zwischennutzungen schon geraume Zeit leer stand. 

Die damalige Entscheidung der Stadt Bayreuth, der Gruppe das Haus mietfrei zu überlassen, hat sich über die Zeit mehr als ausgezahlt. Weit über hundert teils auch überregionale Ausstellungen wurden im Laufe der Jahre vom Team des Forum Phoinix ehrenamtlich realisiert. Und spätestens als 2013 ein zweiter Verein – der Kültürklüb e.V. – begann, das Phoinix als Spielstätte für seine dienstägige Veranstaltungsreihe „Sübkültür“ zu nutzen, war der Ort bald mehr als nur ein Geheimtipp. Im Gegenteil: Bei den stets niedrigpreisigen Veranstaltungen trafen sich Jüngere und Ältere ebenso wie – so oft gefordert und so selten erreicht – Stadt und Studis. Und selbst während der trüben Corona-Zeit blieb das Haus einer der wenigen kulturellen Aktivposten: So wurde im Sommer und Herbst das markante Schaufenster des Hauses kurzerhand zur Leinwand umfunktioniert und regelmäßig mit Kurzfilmen, Videoinstallationen und Konzertschnipseln gefüttert. 

Auch wenn – und das ist ein großes Glück für Bayreuth – mit dem ehemaligen Podium am Gerberplatz eine passende Ausweichspielstätte für die Zeit des Umbaus gefunden wurde, auch wenn das Haus in den kommenden Jahren saniert, erweitert und eines Tages wieder öffnen wird: So wie früher wird es nie mehr werden. Es war aufregend. Es war anders. Es war wunderschön.

Bayreuth4U-Redakteur Matthias Mayer ist selbst seit mehreren Jahren im Kültürklüb e.V. und im Trägerverein Neuneinhalb e.V. aktiv. 

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18 Jahre lang prägte das Forum Phoinix in der Kämmereigasse 9 ½ mit unzähligen Ausstellungen, Konzerten, Film- und Sübkültür-Abenden das alternative Kulturleben der Stadt – bis Corona kam. Doch auch nach dem Ende der Pandemie wird es lange dauern, bis hier wieder Leben einkehrt. Am 31. Januar endete der Mietvertrag zwischen Stadt und Trägerverein, das zunehmend baufällige Haus wird nun in den kommenden Jahren saniert und zum Kunst- und Kulturhaus NEUNEINHALB umgebaut werden.

Ein heruntergekommener Altbau, ein Dutzend Mülltonnen vor dem Eingang, eine einzige Toilette und im Inneren ein Kachelofen, der gerade ausreichte, um im Winter bei Veranstaltungen nicht zu erfrieren. Es gibt viele Gründe, warum das Forum Phoinix als Kulturort in einer Stadt wie Bayreuth nie hätte funktionieren dürfen. Dass aus dem 2002 gestarteten Projekt dennoch eine Erfolgsstory wurde, ist zum einen dem Enthusiasmus und der Kreativität der Betreiber*innen zu verdanken, zum anderen aber auch den im Laufe der Jahre tausenden Besucher*innen, die hier etwas fanden, was sie in Bayreuth nie zu suchen gewagt hätten. Und selbst zufällig vorbeikommende Passanten konnten abends durch das große Schaufenster einen Blick riskieren und wenigstens für ein paar Momente am bunten Leben teilhaben.

„Bayreuth braucht kein Berlin“, stand auf einem der Aufkleber an der mit Stickern übersäten Tür zum Lagerraum des Hauses. Und wenn dieser Spruch auch nur einen Funken Wahrheit in sich trägt, ist dies zu keinem kleinen Teil dem Forum Phoinix zu verdanken, das auf den ersten Blick eher nach Kreuzberg zu gehören schien als ins gutbürgerliche, oft etwas behäbige Bayreuth. Die Idee zu dem Projekt entstand 2001, als eine kleine Gruppe lokaler Künstler*innen einen Ort für temporäre Ausstellungen suchte. Fündig wurde man mitten im Gassenviertel: Im Erdgeschoss eines Hauses, das fast 100 Jahre lang als Metzgerei gedient hatte und nun nach mehreren Zwischennutzungen schon geraume Zeit leer stand. 

Die damalige Entscheidung der Stadt Bayreuth, der Gruppe das Haus mietfrei zu überlassen, hat sich über die Zeit mehr als ausgezahlt. Weit über hundert teils auch überregionale Ausstellungen wurden im Laufe der Jahre vom Team des Forum Phoinix ehrenamtlich realisiert. Und spätestens als 2013 ein zweiter Verein – der Kültürklüb e.V. – begann, das Phoinix als Spielstätte für seine dienstägige Veranstaltungsreihe „Sübkültür“ zu nutzen, war der Ort bald mehr als nur ein Geheimtipp. Im Gegenteil: Bei den stets niedrigpreisigen Veranstaltungen trafen sich Jüngere und Ältere ebenso wie – so oft gefordert und so selten erreicht – Stadt und Studis. Und selbst während der trüben Corona-Zeit blieb das Haus einer der wenigen kulturellen Aktivposten: So wurde im Sommer und Herbst das markante Schaufenster des Hauses kurzerhand zur Leinwand umfunktioniert und regelmäßig mit Kurzfilmen, Videoinstallationen und Konzertschnipseln gefüttert. 

Auch wenn – und das ist ein großes Glück für Bayreuth – mit dem ehemaligen Podium am Gerberplatz eine passende Ausweichspielstätte für die Zeit des Umbaus gefunden wurde, auch wenn das Haus in den kommenden Jahren saniert, erweitert und eines Tages wieder öffnen wird: So wie früher wird es nie mehr werden. Es war aufregend. Es war anders. Es war wunderschön.

Bayreuth4U-Redakteur Matthias Mayer ist selbst seit mehreren Jahren im Kültürklüb e.V. und im Trägerverein Neuneinhalb e.V. aktiv. 

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