Wankelmütiger Wunschkandidat

Die Verwirrung in Bayreuth war im November groß, wenn es um das Thema des neuen Kulturreferenten ging. Mitte Juli hatte der Bayreuther Stadtrat Dr. Tobias Knoblich aus Erfurt zum neuen Mann für die Kultur gewählt – seinen Job sollte er am 1. Januar antreten. Doch inzwischen erklärte Knoblich, er wolle am 28. November in Erfurt antreten – und zwar als Kandidat für die Wahl zum Dezernenten für die Bereiche Kultur, Wirtschaft und Sport. Und das, obwohl er bereits in Erfurt als Kulturdirektor gekündigt und in Bayreuth fest zugesagt hatte. Die Ernennungsurkunde lag bereits in der Schublade, doch Bayreuth war plötzlich nur noch zweite Wahl.

Knoblich pokert also – und in Bayreuth ist man darüber „not amused“ und spricht von einem beschädigten Verhältnis zum Kulturreferenten in spe. Der Bayreuther SPD-Stadtrat Thomas Bauske schrieb sogar einen offenen Brief an seine Parteikollegen in Erfurt: „Obwohl ihn eine Mehrheit des Bayreuther Stadtrats gewählt hat, ist es ihm vor seinem Dienstantritt gelungen, ordentlich Porzellan zu zerschlagen. Aus diesem Grund bitte ich euch, seid solidarisch mit uns und wählt Dr. Knoblich zum Dezernenten in Erfurt“.

Doch ob man ihn dort noch haben möchte, ist unklar. In einem Kommentar in der „Thüringer Allgemeinen“ war vom „kulturlosen Kulturdirektor“ Knoblich die Rede, der „jegliche Integrität verspielt“ und dazu beigetragen habe, „den Beruf des Politikers zu diskreditieren“. Auch ein Vergleich zwischen Knoblich, Donald Trump und der Figur des Frank Underwood aus der TV-Serie „House of Cards“ wurde dort gezogen. Der Ausgang des Stellenpokers war zu Redaktionschluss ungewiss. Im Dezember soll sich Knoblich vor dem Bayreuther Stadtrat erklären. –mk

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