Indiepop aus der Provinz

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Musik

Die  Indiepop-Band Provinz – am 16. Juli live auf der Plassenburg in Kulmbach  – gilt als einer der vielversprechendsten Newcomer des Landes. Wir sprachen vorab mit Drummer Leon über besondere Erlebnisse im vergangenen Jahr, politische Positionierung und Zukunftspläne der Band.

bayreuth4U: Wie habt ihr das Jahr 2020 als Band erlebt? 

Leon: Das Jahr hat sehr verheißungsvoll angefangen. Wir haben am Anfang noch in München ein Konzert gespielt und uns auf den Album-Release, die ersten Touren und einen wilden Konzertsommer gefreut. Dann waren wir als Support mit Fil Bo Riva unterwegs – da war Corona schon ein Ding – und irgendwann war klar, dass unsere eigenen Konzerte und der ganze Sommer wahrscheinlich nicht so stattfinden werden, wie wir uns das gedacht haben. Wir sind dann wieder heimgefahren, was erst mal ein Downer war, weil alles auf den Kopf gestellt wurde. Dann hatten wir aber sehr viel Zeit, die wir in den Jahren davor nicht hatten. Die haben wir genutzt, indem wir eine EP geschrieben und an uns und unserem Live-Auftritt gearbeitet haben. Und dann gab es ja mit den Picknick-Shows die Möglichkeit corona-konforme Konzerte zu spielen, das haben wir auch mitgenommen und hatten dann doch einen ganz schönen Sommer. Wir haben auf jeden Fall das Beste aus dem Jahr gemacht.

bayreuth4U: Wie hat es sich angefühlt, nach längerer Zeit wieder auf der Bühne zu stehen?

Leon: Wieder vor Publikum zu spielen und eine direkte Resonanz zu bekommen, war irre schön. Die Picknick-Konzerte waren natürlich ein bisschen anders, weil man nicht so richtig zusammen schwitzen und ausrasten kann, aber wenn man sich darauf einlässt, ist das eine sehr gute Alternative zu den ganzen Streaming-Sachen und Autokonzerten.

bayreuth4U: Auch wenn das Jahr insgesamt nicht einfach war – welche Momente habt ihr als besonders schön in Erinnerung?

Leon:Der Release unseres Debütalbums war ein irrer Moment für uns, den wir im kleinen Rahmen mit Freunden und Kollegen gefeiert haben. Ende des Jahres waren wir dann noch bei 1LIVE, wo wir die Krone gewonnen haben, das war super surreal aber auch ein richtig schöner Tag. Es gab schon einige Lichtmomente in diesem Jahr.

bayreuth4U: Wie würdet ihr eure neue EP „Zu spät um umzudrehen“ beschreiben?

Leon: Die EP ist sehr unverhofft aus der Zeit in der Corona-Pandemie entstanden. Es dreht sich auch viel um dieses Gefühl von Sehnsucht – man fühlt sich so ein bisschen eingesperrt und möchte einfach wieder rausgehen. Ich glaube, das hört man dieser EP auch an. Alle Emotionen, die wir letztes Jahr hatten, sind da reingeflossen. Musikalisch ist es im Prinzip das gleiche wie bisher, aber weiterentwickelt – weil wir uns natürlich in der Zeit selbst weiterentwickelt haben.

bayreuth4U: Ihr werdet ja zumindest in der bereits erschienenen Single „Hymne gegen euch“ ziemlich politisch. Findest du, dass man sich als Band mit großer Reichweite in der Öffentlichkeit politisch positionieren sollte?

Leon:Ich glaube, wenn du die Möglichkeiten und Reichweite hast, Leuten etwas mitzuteilen, hast du auch eine gewisse Verantwortung. Wir sind nicht der Meinung, dass man große Parolen vorgeben muss oder den Leuten sagen muss, was richtig oder falsch ist. Das wissen wir im Zweifel auch nicht. Aber wir sind der Meinung: Du hast die Verantwortung, etwas mit deiner Reichweite anzufangen, denn du hast die Möglichkeit, etwas zu ändern oder zumindest deine Stimme geltend zu machen. Und diese musst du auf jeden Fall nutzen. Ob es am Ende nur ein Animieren zum Selbst-Informieren oder Aktiv-Werden bleibt oder ob man konkret Dinge anpackt, bleibt jedem selber überlassen. 

bayreuth4U: Interessiert ihr euch schon lange für politische Themen oder hat sich das erst in letzter Zeit entwickelt?

Leon: Wir sind alle nicht unpolitisch und es war immer schon so, dass wir uns über Dinge unterhalten haben, wenn uns etwas zu Ohren gekommen ist oder gestört hat, weil wir uns ja sowieso die ganze Zeit sehen. Aber gerade in dieser Zeit – in der es nicht nur Aktionen wie Fridays for Future, sondern eben auch diese ganzen Querdenker-Geschichten und viele Baustellen gibt, über die man sich aufregen kann und mit denen man sich auseinandersetzen muss – ist es bei uns auch brisanter und viel mehr zum Thema geworden. So ist dann auch „Hymne gegen euch“ als emotionale Reaktion auf eine Schlagzeile zu einer Querdenker-Demo entstanden. Es ist eine super politische Zeit und auch eine sehr politische Jugend. Jeder setzt sich für das ein, was er richtig findet und das machen wir auch.

bayreuth4U: Auf welchem Weg informiert ihr euch? Hast du Tipps  für junge Leute, die sich noch nicht so stark mit politischen Themen befasst haben und das ändern wollen?

Leon: Ein guter Einstieg ist wahrscheinlich einfach aktuelle Nachrichten zu verfolgen – da gibt es ja sehr viele Möglichkeiten. Ich glaube, wenn man sich ein bisschen informiert und versucht eine relativ neutrale Zeitung zu finden oder von mir aus auch einfach die Tagesschau jeden Abend schaut, dann bekommt man auf jeden Fall genug mit und wird von alleine anfangen, sich über Dinge zu informieren, die einen mehr interessieren oder stören.

bayreuth4U: „Ich will nicht in die Großstadt“ heißt es in einem der neuen Songs. In einem Interview habt ihr aber mal davon gesprochen, dass ihr nach Hamburg ziehen wollt. Hat es euch mittlerweile doch in die Großstadt verschlagen? 

Leon: Tatsächlich ist Hamburg im Gespräch, weil wir natürlich trotz allem auch mal von hier weg wollen und Hamburg schön und weit weg ist. Gerade auch durch das letzte Jahr sind die Pläne ein bisschen in den Hintergrund geraten und wir wohnen aktuell noch in Ravensburg und Umgebung. Aber der Umzug ist nach wie vor geplant.

bayreuth4U: Was steht bei euch dieses Jahr – abgesehen von eurem Auftritt am 16. Juli auf der Plassenburg Kulmbach – noch an?

Leon: Erstmal natürlich die Veröffentlichung unserer EP am 11. Juni. Dann kommt ein Festivalsommer mit corona-konformen Shows und wenn alles gut läuft, findet Ende des Jahres noch die erste Tour statt. Ob das klappt, kann natürlich keiner vorhersehen. Und nebenher machen wir natürlich weiter fleißig neue Musik.

Provinz sind am Freitag, den 16. Juli 2021 zu Gast beim Plassenburg Open-Air in Kulmbach. Beginn ist um 20.45 Uhr, Tickets gibt es unter www.plassenburgopenair.de.

Das Interview führte Verena Sellheim.

Foto: Mike Kipper

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Die  Indiepop-Band Provinz – am 16. Juli live auf der Plassenburg in Kulmbach  – gilt als einer der vielversprechendsten Newcomer des Landes. Wir sprachen vorab mit Drummer Leon über besondere Erlebnisse im vergangenen Jahr, politische Positionierung und Zukunftspläne der Band.

bayreuth4U: Wie habt ihr das Jahr 2020 als Band erlebt? 

Leon: Das Jahr hat sehr verheißungsvoll angefangen. Wir haben am Anfang noch in München ein Konzert gespielt und uns auf den Album-Release, die ersten Touren und einen wilden Konzertsommer gefreut. Dann waren wir als Support mit Fil Bo Riva unterwegs – da war Corona schon ein Ding – und irgendwann war klar, dass unsere eigenen Konzerte und der ganze Sommer wahrscheinlich nicht so stattfinden werden, wie wir uns das gedacht haben. Wir sind dann wieder heimgefahren, was erst mal ein Downer war, weil alles auf den Kopf gestellt wurde. Dann hatten wir aber sehr viel Zeit, die wir in den Jahren davor nicht hatten. Die haben wir genutzt, indem wir eine EP geschrieben und an uns und unserem Live-Auftritt gearbeitet haben. Und dann gab es ja mit den Picknick-Shows die Möglichkeit corona-konforme Konzerte zu spielen, das haben wir auch mitgenommen und hatten dann doch einen ganz schönen Sommer. Wir haben auf jeden Fall das Beste aus dem Jahr gemacht.

bayreuth4U: Wie hat es sich angefühlt, nach längerer Zeit wieder auf der Bühne zu stehen?

Leon: Wieder vor Publikum zu spielen und eine direkte Resonanz zu bekommen, war irre schön. Die Picknick-Konzerte waren natürlich ein bisschen anders, weil man nicht so richtig zusammen schwitzen und ausrasten kann, aber wenn man sich darauf einlässt, ist das eine sehr gute Alternative zu den ganzen Streaming-Sachen und Autokonzerten.

bayreuth4U: Auch wenn das Jahr insgesamt nicht einfach war – welche Momente habt ihr als besonders schön in Erinnerung?

Leon:Der Release unseres Debütalbums war ein irrer Moment für uns, den wir im kleinen Rahmen mit Freunden und Kollegen gefeiert haben. Ende des Jahres waren wir dann noch bei 1LIVE, wo wir die Krone gewonnen haben, das war super surreal aber auch ein richtig schöner Tag. Es gab schon einige Lichtmomente in diesem Jahr.

bayreuth4U: Wie würdet ihr eure neue EP „Zu spät um umzudrehen“ beschreiben?

Leon: Die EP ist sehr unverhofft aus der Zeit in der Corona-Pandemie entstanden. Es dreht sich auch viel um dieses Gefühl von Sehnsucht – man fühlt sich so ein bisschen eingesperrt und möchte einfach wieder rausgehen. Ich glaube, das hört man dieser EP auch an. Alle Emotionen, die wir letztes Jahr hatten, sind da reingeflossen. Musikalisch ist es im Prinzip das gleiche wie bisher, aber weiterentwickelt – weil wir uns natürlich in der Zeit selbst weiterentwickelt haben.

bayreuth4U: Ihr werdet ja zumindest in der bereits erschienenen Single „Hymne gegen euch“ ziemlich politisch. Findest du, dass man sich als Band mit großer Reichweite in der Öffentlichkeit politisch positionieren sollte?

Leon:Ich glaube, wenn du die Möglichkeiten und Reichweite hast, Leuten etwas mitzuteilen, hast du auch eine gewisse Verantwortung. Wir sind nicht der Meinung, dass man große Parolen vorgeben muss oder den Leuten sagen muss, was richtig oder falsch ist. Das wissen wir im Zweifel auch nicht. Aber wir sind der Meinung: Du hast die Verantwortung, etwas mit deiner Reichweite anzufangen, denn du hast die Möglichkeit, etwas zu ändern oder zumindest deine Stimme geltend zu machen. Und diese musst du auf jeden Fall nutzen. Ob es am Ende nur ein Animieren zum Selbst-Informieren oder Aktiv-Werden bleibt oder ob man konkret Dinge anpackt, bleibt jedem selber überlassen. 

bayreuth4U: Interessiert ihr euch schon lange für politische Themen oder hat sich das erst in letzter Zeit entwickelt?

Leon: Wir sind alle nicht unpolitisch und es war immer schon so, dass wir uns über Dinge unterhalten haben, wenn uns etwas zu Ohren gekommen ist oder gestört hat, weil wir uns ja sowieso die ganze Zeit sehen. Aber gerade in dieser Zeit – in der es nicht nur Aktionen wie Fridays for Future, sondern eben auch diese ganzen Querdenker-Geschichten und viele Baustellen gibt, über die man sich aufregen kann und mit denen man sich auseinandersetzen muss – ist es bei uns auch brisanter und viel mehr zum Thema geworden. So ist dann auch „Hymne gegen euch“ als emotionale Reaktion auf eine Schlagzeile zu einer Querdenker-Demo entstanden. Es ist eine super politische Zeit und auch eine sehr politische Jugend. Jeder setzt sich für das ein, was er richtig findet und das machen wir auch.

bayreuth4U: Auf welchem Weg informiert ihr euch? Hast du Tipps  für junge Leute, die sich noch nicht so stark mit politischen Themen befasst haben und das ändern wollen?

Leon: Ein guter Einstieg ist wahrscheinlich einfach aktuelle Nachrichten zu verfolgen – da gibt es ja sehr viele Möglichkeiten. Ich glaube, wenn man sich ein bisschen informiert und versucht eine relativ neutrale Zeitung zu finden oder von mir aus auch einfach die Tagesschau jeden Abend schaut, dann bekommt man auf jeden Fall genug mit und wird von alleine anfangen, sich über Dinge zu informieren, die einen mehr interessieren oder stören.

bayreuth4U: „Ich will nicht in die Großstadt“ heißt es in einem der neuen Songs. In einem Interview habt ihr aber mal davon gesprochen, dass ihr nach Hamburg ziehen wollt. Hat es euch mittlerweile doch in die Großstadt verschlagen? 

Leon: Tatsächlich ist Hamburg im Gespräch, weil wir natürlich trotz allem auch mal von hier weg wollen und Hamburg schön und weit weg ist. Gerade auch durch das letzte Jahr sind die Pläne ein bisschen in den Hintergrund geraten und wir wohnen aktuell noch in Ravensburg und Umgebung. Aber der Umzug ist nach wie vor geplant.

bayreuth4U: Was steht bei euch dieses Jahr – abgesehen von eurem Auftritt am 16. Juli auf der Plassenburg Kulmbach – noch an?

Leon: Erstmal natürlich die Veröffentlichung unserer EP am 11. Juni. Dann kommt ein Festivalsommer mit corona-konformen Shows und wenn alles gut läuft, findet Ende des Jahres noch die erste Tour statt. Ob das klappt, kann natürlich keiner vorhersehen. Und nebenher machen wir natürlich weiter fleißig neue Musik.

Provinz sind am Freitag, den 16. Juli 2021 zu Gast beim Plassenburg Open-Air in Kulmbach. Beginn ist um 20.45 Uhr, Tickets gibt es unter www.plassenburgopenair.de.

Das Interview führte Verena Sellheim.

Foto: Mike Kipper

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