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Interview mit Matthias Reim

Zwischen Bühne und Bodensee

Matthias Reim ist im deutschen Schlager eines dieser Gesichter, das nicht wegzudenken ist. Seit er 1990 mit seinem Allzeit-Klassiker „Verdammt, ich lieb dich“ den Durchbruch geschafft hat, durchlebt der 66-Jährige ein Wellental der Gefühle: Von ganz oben bis ganz unten und wieder zurück. Am 16. Juli gastiert der passionierte Motorradfahrer und Biertrinker auf der Kulmbacher Plassenburg. Im Vorfeld sprach Andi Bär mit dem beliebten Musiker. Der passionierte Biertrinker ist am 16. Juli zu Gast auf der Plassenburg.

bayreuth4U: Hallo Matthias, schön dich zu hören. Ich habe erst lange überlegt, wie ich in das Gespräch einsteige. Gestern hab ich zufällig eine Geschichte über Udo Jürgens gelesen – dann fiel es mir ein. Weißt du, auf was ich hinaus will?

Matthias Reim: Hilf mir auf die Sprünge (lacht).

bayreuth4U: „Mit 66 Jahren“ hat der Kollege Jürgens einst gesungen. Du bist ja jetzt auch 66 Jahre alt. Fängt das Leben da echt erst an?

Matthias Reim: Was tatsächlich mit 60 Jahren anfängt, ist, dass man seine Erfahrungen zu nutzen lernt und etwas relaxter wird. Man ist einfach nicht mehr so hektisch und rennt jedem Strohhalm hinterher. Man fragt sich, ob man das machen will oder machen muss. Ich überlege dann. Ich bin entspannter. Ob das ein Lebensanfang ist, das weiß ich nicht. Es kommen ja auch Sachen dazu, die gar nicht so witzig sind. Ich bin jetzt 66. Wenn du fünf Stunden mit dem Auto zu einem Konzert fährst, dann brauchst du erst einmal fünf Minuten, bis du deine Knochen sortierst. Das hatte ich mit 25 Jahren nicht. Da sind wir rausgesprungen und haben gesagt: Los geht’s! So Kleinigkeiten.

bayreuth4U: Dann lass uns doch gleich zu deinem momentanen Rückzugsort am Bodensee kommen. Dort ist die Luft ja schon etwas besser als im Ruhrpott. 

Matthias Reim: Ich liebe es hier. Ich lebe in einer Kleinstadt, bin sowieso ein Kleinstadtjunge. Jeder grüßt mich, alle lassen dich aber in Ruhe einkaufen oder was auch immer. Wenn ich etwas brauche – ich kenne den Schreiner, den Automechaniker, ich kenne einfach jeden. Die Menschen hier mögen und respektieren mich.

bayreuth4U: Das ist ja eigentlich Luxus.

Matthias Reim: Ja. Das ist defintiv ein gewisser Luxus. Ich bin einfach ein freundliches Wesen. Deswegen sind die auch freundlich zu mir. Ich kenne keine Arroganz, von wegen hier kommt der große Reim, geh mir aus dem Weg. Um Gottes Willen! Ich stelle mich in der Schlange hinten an und die Omi, die nur ein Brot in der Hand hat, lasse ich vor wie jeder andere normale Mensch auch. Zuhause bin ich ein ganz normaler Mensch. Ich vergesse auch, dass ich „Promi“ bin. Wenn dann mal ein Tourist kommt und ein Selfie machen möchte, dann ist das so das Gefühl „Oh Gott“, ich bin ja der Matthias Reim. Habe ich gerade vergessen.

bayreuth4U: Das ist auch so ein Punkt, weshalb viele – egal ob ein 20- oder ein 70-jähriger – beim Gespräch über Matthias Reim entweder fragen, ob der noch lebt oder feststellen, dass das richtig geile Zeiten waren. Und der immer richtig Spaß macht.

Matthias Reim: Ich glaube, dass ich draußen wirklich einen ziemlichen Sympathiebonus habe. Das ist etwas, das ich sehr genieße, weil ich auch immer versucht habe, so zu leben und so zu sein. Also ein höflicher und respektvoller Mensch. Etwas, das mir meine Eltern beigebracht haben. Das heißt, wenn ich in eine Halle gehe, dann grüße ich jeden. Ob Feuerwehrmann, Wachmann oder der Chef der Halle. Das ist egal. Behandle alle gleich. Behandle sie einfach freundlich. Das ist ein Lebensmotto, das ich immer durchgezogen habe, wo ich immer wieder merke, wenn du mit offenem Herzen und echter Freundlichkeit durch das Leben gehst, dann bekommst du das zurück.

bayreuth4U: Lässt sich das auch auf dein Leben übertragen und gnadenlos durchziehen? Seit du bei Wim Thoelke, die Älteren erinnern sich, mit dem Gassenhauer „Verdammt, ich lieb dich“ durchgestartet bist, hast du ja viele Wellentäler durchlebt. Nicht selten vom Boulevard ausgeschlachtet.

Matthias Reim: Du lernst daraus. Ich habe mir das ja nicht ausgesucht und anfangs noch etwas gezuckt, wenn ich so etwas gelesen habe. Aber dann gibt es so einen Selbstschutz, den glaube ich jeder entwickelt. Ich denke mir mittlerweile, schreibt, was ihr wollt. Ich gehe auf meine Bühne, ich mache meine Platten und mache das Beste, was ich kann. Wie viele Kinder ich habe, wie viele Frauen mich verlassen haben – das ist mir doch egal! Es ist mir egal geworden.

bayreuth4U: Wenn wir schon bei dem Thema Kinder und Frauen sind. Deine Tochter Marie ist die nächste, die auf der Bühne steht, mit Sohn Julian hast du das Duett „Pech und Schwefel“ gesungen. Wann gibt es denn nach der Kelly Family auch die Reim-Family? Soviele so musikalische Familien gibt es ja nun nicht gerade …

Matthias Reim: Ich finde das eine sehr, sehr schöne Idee. Ich denke darüber nach und plane für mich eine Sondertour. Vielleicht so zehn Arenen, in denen wir das gemeinsam machen. Das ist ein Traum, den möchte ich mir noch erfüllen. Wir verstehen uns alle gut und ich glaube, dass das musikalisch ein guter Abend wäre – und auch witzig für die Leute.  Ich denke daran, das 2025 oder 2026 zu realisieren. 

bayreuth4U: Wie wäre das musikalisch, um zurück auf den Solokünstler zu kommen? Gestern habe ich eine Rezension über dein neues Album „Zeppelin“ gelesen. Da hieß es, dass der Reim wieder rockiger wird und der Schlager in den Hintergrund rückt. Bewusst?

Matthias Reim: Bei mir ist das Zufall. Ich mache gar nichts bewusst. Ich sehe immer zu, dass ich auf meinen Alben ein, zwei, drei typische Mainstream-Schlagersongs habe, bei denen ich weiß, dass die Leute drauf feiern. So wie „Der doch nicht“ oder solche Sachen. Das wollen die Menschen von mir haben, das liefere ich. Danach mache ich, was ich will. Da gehe ich meine Reise und weiß, die Leute gehen die Reise gerne mit. Wenn ich ein Album nur mit „Tattoo“ oder „Echte Helden“ machen würde, dann wären die Menschen gelangweilt von mir. Die wollen ja auch die Geschichten hören wie „Zeppelin“ oder „Radio“. Das was mich ausmacht. Ich mache einfach Songs und wenn sie mir gefallen, dann bringe ich sie raus.

bayreuth4U: Gehe ich recht in der Annahme, dass die private Playlist von dir eher Jethro Tull, Judas Priest als Dieter Thomas Kuhn spielt?

Matthias Reim: Meine Playlist ist Ozzy Ozbourne, ein bisschen Led Zeppelin, Steve Walsh oder Ghost. Kennst du die? Sensationell, was die machen! Die sind seit einem Jahr für mich eine der faszinierendesten Bands, die ich entdeckte habe. Das Album „Freequell“ habe ich im Auto sicherlich mehr als 1000 Mal gehört. Solche Sachen inspirieren mich! Und Ozzy genauso. Mein „Träumer“ ist ganz klar Ozzy Ozbournes „Dreamer“. Ich hatte ja schon Angst, dass er mich anruft und beschimpft. Hat er nicht gemacht.

bayreuth4U: Was dürfen die Fans live erwarten?

Matthias Reim: Eine Reise durch 33 Jahre Reim-Musik-Geschichte! Und sie werden alle Songs kennen. Ohne es vorher zu wissen. Und sie werden es lieben. Ich spiele nur eigene Songs. Eigentlich müsste ich ja vier statt zwei Stunden spielen. Aber ich bin der Meinung, zwei Stunden intensiv reicht völlig bei einem Konzert. Mit Bierpause!

bayreuth4U: Warst du eischon einmal in Kulmbach? Ich habe gehört, du wärst passionierter Biertrinker.

Matthias Reim: Ich war tatsächlich noch nie dort. Bier gehört bei mir dazu. Das steht immer im Kühlschrank und vor dem Auftritt ist das Beruhigungsbier absolut Pflicht. Ohne würde ich nie auf die Bühne gehen. Da würde ich von Lampenfieber und Nervosität sterben. Ein Bier beruhigt mich, hält mich wach und lässt mich frech werden. Stellt schon mal ein Bier kalt. Bis dann!

Foto: Mischa Lorenz

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