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Der Tod als Teil des Lebens

Wenn es um die letzte Wegstrecke geht, muss an vieles gedacht werden. Nachdem die Bayreutherin Freya Schneider ihren Schulabschluss in der Tasche hatte, entschied sie sich für eine Ausbildung zur Bestattungsfachkraft. Im Interview mit bayreuth4U erzählt die 19-Jährige, wie es dazu kam. 

bayreuth4U: Warum hast du dich für eine Ausbildung zur Bestatterin entschieden?

Freya: Am 1. September vergangenen Jahres habe ich meine Ausbildung als Bestattungsfachkraft bei Himml Bestattungen in Bayreuth begonnen. Die Entscheidung, diesen Beruf zu erlernen, habe ich nach einem dreiwöchigen Praktikum getroffen, weil ich festgestellt habe, wie vielseitig der Beruf ist. 

bayreuth4U: Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?

Freya: Jeder Tag gestaltet sich aufgrund der sich ständig ändernden Anforderungen in den unterschiedlichen Arbeitsbereichen neu. Nach einer täglichen Teambesprechung fallen verschiedene Aufgaben an: Neben Tätigkeiten wie Bestattungsvorsorge, Beratung und Betreuung der Angehörigen, Überführung der Verstorbenen und Erledigung von Formalitäten umfasst mein Arbeitsalltag auch die hygienische und kosmetische Versorgung von Verstorbenen – auch nach Gewalteinwirkung. Dazu kommen Seelsorge, die Organisation von Trauerfeiern und Beerdigungen, das Erstellen von Todesanzeigen, das Verfassen von Trauerreden, das Fertigstellen von Särgen sowie die Dekoration von Trauerhallen und die Grabtechnik. Auch das Öffnen und Schließen von Grabstätten gehört dazu. 

bayreuth4U: Klingt extrem vielseitig. Wo ist deine Berufsschule und welche Fächer werden dort unterrichtet? 

Freya: Ich besuche derzeit die Berufsschule in Bad Kissingen, dort habe ich pro Schuljahr etwa 11 bis 12 Wochen Unterricht, der in Blöcken von je zwei bis drei zusammenhängenden Wochen stattfindet. Unabhängig von den fachbezogenen Fächern wie Geschäftsdokumentation, Versorgung und Bestattung, Beratung und Betreuung sowie Prozessabläufe im Betrieb werden noch allgemeinbildende Fächer wie Deutsch, Politik und Gesellschaft, Ethik und Sport gelehrt. Als Fremdsprache ist berufsbezogenes Englisch vorgesehen. 

bayreuth4U: Was gefällt dir an der Arbeit am besten und wo liegen für dich die Schwierigkeiten? 

Freya: Der Arbeitsbereich der hygienischen Versorgung von Verstorbenen sowie die thanatopraktische Behandlung ist für mich die interessanteste Arbeit in meiner Ausbildung. Die einzige Schwierigkeit, die ich bis jetzt feststellen konnte, ist in manchen Fällen die physische Belastung, zum Beispiel das Bergen von schweren Verstorbenen. 

bayreuth4U: Kannst du gut mit Trauer und Leid umgehen?

Freya: Wenn man diesen Beruf ausüben möchte, gehört der Umgang mit Trauer und Leid sowie eine stabile psychische Verfassung natürlich zu den Grundvoraussetzungen. Um Professionalität zu gewährleisten, ist es erforderlich, eine gewisse Distanz zu wahren. Ich kann aber jederzeit mit meinen Kollegen über für mich neue und schwierige Fälle sprechen. In Extremsituationen ist auch die Möglichkeit der Supervision gegeben. Es gab schon die ein oder andere Trauerfeier, bei der ich Gänsehaut oder Tränen in den Augen hatte, wenn zum Beispiel die Musik oder die Rede sehr bewegend waren. 

bayreuth4U: Erinnerst du dich an deinen ersten Fall? Wie ging es dir damit?

Freya: Tatsächlich erinnere ich mich sehr gut daran, denn ich hatte in meinem Leben zuvor noch nie einen Verstorbenen gesehen, deshalb war es etwas befremdlich für mich. Ich wurde jedoch behutsam durch meine erfahrenen Kollegen herangeführt.

bayreuth4U: Was willst du nach deiner Ausbildung machen? 

Freya: Nach meiner Ausbildung strebe ich die Ausbildung zur Thanatopraktikerin an und würde gerne weiterhin im Hause Himml arbeiten. 

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