Warum eine Impfpflicht immer wahrscheinlicher wird

Vor knapp 2 Jahren, am 31. Dezember 2019, ist in Wuhan, China, der Ausbruch einer neuen Lungenentzündung mit noch unbekannter Ursache in bestätigt worden. Knapp zwei Jahre später wissen wir schon eine ganze Menge über das Virus. Wir wissen, dass es tödlich, rasend schnell in der Verbreitung ist und Fehler nicht verzeiht. Zum Stichtag 20. November 2021 meldet die John-Hopkins-Universität, dass weltweit bislang 256.817.017 Menschen an Covid-19 erkrankt und 5,143443 Millionen an oder mit dem Virus gestorben sind. Und wir wissen, dass weltweit bisher rund 7,347 Milliarden Impfdosen im Überlebenskampf gegen das Virus verabreicht wurden. Schließlich wissen wir aus leidvoller Erfahrung, dass ein Pandemieende noch lange nicht absehbar ist.

Das Virus verändert die Welt auf brutale Art

Knapp zwei Jahre später wissen wir aber auch das: Die Welt hat, ungeachtet des gewaltigen medizinischen Wissens und des technologischen Fortschritts, der die Welt immerhin befähigt auf dem Mond zu landen und auf dem Mars zu forschen, noch keinen Königsweg gefunden, um die Pandemie zu stoppen. Deshalb sterben und erkranken täglich mehr Menschen an Covid 19 – junge wie alte, gesunde und kranke. Deshalb legt diese Pandemie weltweit ganze Gesellschaften still. Deshalb verändert diese Pandemie die Welt auf brutale Art und Weise.

Und wenn alle sich impfen ließen?

Das Verrückte daran: Es gäbe ja einen probaten Weg, dem Virus Einhalt zu gebieten. Es müssten sich nur alle Menschen, die dafür in Frage kommen, bereit sein, sich impfen zu lassen. Tun sie aber nicht. Die Gründe dafür sind mannigfaltig. Die einen würden gerne, kommen aber nicht an Impfstoff ran, weil sie im falschen Teil der Welt leben. Weil ihre Regierungen die Medizin nicht beschaffen können. Für viele andere wäre Impfstoff vorhaben, sie haben aber entweder Sorge vor den (medizinischen) Folgen der Impfung oder vermuten dahinter eine weltweite Strategie zur Unterjochung der Menschheit.

Was also kann oder muss die Weltgemeinschaft tun, um Corona zu besiegen? Sie muss erstens die Impfstoffe schnell und weltweit verfügbar machen – das ist eine humanitäre Aufgabe, eine der bedeutendsten der letzten Jahrzehnte. Und sie muss, zweitens, all jenen die Sorge nehmen, die Angst haben vor der Impfung und ihren gesundheitlichen Folgen. Auch das eine verdammt schwierige Aufgabe.

Wenn Fakten nicht mehr zählen…


Meine Sorge ist, dass vor allem die zweite Handlungsnotwendigkeit scheitern wird. Weil sich viel zu viele Menschen nicht überzeugen lassen wollen. Nicht durch Gespräche oder Infomaterial, nicht durch Zahlen oder medizinische Fakten. Und deshalb mehren sich auch – verständlicherweise – die Rufe nach einer (allgemeinen) Impfpflicht. Weil die Impfverweigerer eben nicht nur eine Entscheidung für sich treffen, sondern weil ihre Entscheidung auch viele, sehr viele Menschen betrifft. Mittelbar oder unmittelbar, gesundheitlich, rechtlich oder in der Normalität des Alltags. Weil aufgrund der Pandemie Weihnachtsmärkte, Geschäfte oder Bars schließen müssen, weil Sport- oder Kulturveranstaltungen ausfallen müssen, weil es noch immer oder wieder Maskenzwang, Einschränkungen bezüglich sozialer Kontakte oder der Freiheit insgesamt gibt. Weil Menschen erkranken und sterben.   

Dreist und unsolidarisch

Wir stellen fest – und das gilt für Bayreuth wie für jede andere Stadt – dass gutes Zureden nicht mehr hilft, der gesunde (!) Menschenverstand nicht mehr hilft und manche – nach meinem Geschmack: viele zu viele ­– Menschen ihre Verweigerungshaltung über die Freiheit aller stellen. Und sich dabei noch auf Gesetze berufen. Das ist dreist. Und unsolidarisch.

Aber wie umgehen mit solchen Menschen?

Ich bin doppelt geimpft und bereit, mich lieber heute als morgen boostern zu lassen. Ich war gleichwohl kein Befürworter einer allgemeinen Impfpflicht. Aber ich verhehle nicht, dass mir so langsam die Argumente ausgehen, wenn die Rufe danach immer lauter und die Argumente der derer, die für eine Impfpflicht stimmen, immer nachvollziehbarer werden.
Und je mehr ich darüber nachdenke, desto sinnvoller erscheint mir der Gedanke, dass eine Impfpflicht Sinn macht:

  • Weil sie den Tod von zigtausenden Menschen verhindern würde (schließlich sind es noch immer vorwiegende ungeimpfte Menschen, die auf den Intensivstationen liegen).
  • Weil die Impfungen der überwiegenden Mehrheit der Menschen nicht schadet, sondern nutzt.

Letzten Versuch unternehmen 

Gleichwohl sollten wir, bevor wir eine (juristisch durchaus umstrittene) Impfpflicht herbeirufen, nochmal alle Register ziehen. Nicht nur auf Bundes- oder Landesebene, sondern auch bei uns, vor Ort. In Oberfranken, im Landkreis und in der Stadt Bayreuth. Nicht irgendwann, sondern JETZT. Weil jede Verzögerung Menschenleben kostet, Existenzen vernichtet, Beziehungen in Gefahr bringt, gesellschaftliche Krisen verursacht.

Was wir tun können? 

  • Wir alle sollten hartnäckig, mit guten Argumenten und in aller Deutlichkeit Impfskeptikern ins Gesicht sagen, dass wir Ihre Haltung nicht länger ertragen. Und ja, wir sollten ein letztes Mal versuchen, sie zu überzeugen.
  • Überzeugen davon, dass wir und Millionen anderer Menschen durch unsere Impfung nachweislich keinen Schaden genommen haben und Impfungen sicher sind.
  • Überzeugen davon, dass wir alle alles tun sollten, um gesellschaftliche Einschränkungen möglichst schnell und dauerhaft zu beseitigen ­– durch eine Impfung nämlich. 
  • Überzeugen davon, dass die Situation in unseren Kliniken und Krankenhäusern zwangsläufig aus dem Ruder laufen wird, wenn wir nicht handeln. 
  • Überzeugen davon, dass wir durch Nichtstun vor allem auch den Kindern und Jugendlichen schaden, weil wir ihnen die Freiheit und Perspektiven nehmen und womöglich Lebensträume zerstören. Und weil wir tatsächlich noch viel zu wenig wissen, was dieses Virus langfristig mit Kindern macht (Long Covid).
  • Überzeugen davon, dass ihre Entscheidung, sich nicht impfen zu lassen, den Pflegerinnen und Pflegern, Ärzten und dem sonstigen Klinikpersonal ohne Not schier unermessliches Leid und erhebliche psychische Belastungen aufbürdet. 
  • Überzeugen davon, dass ohne ihr Einlenken das Gesundheitssystem insgesamt vor die Wand fährt und es fast zwangsläufig dazu kommen wird, dass womöglich auch unser aller Freunde, Bekannten oder Familienangehörigen nicht mehr die Behandlung bekommen, die sie bräuchten.
  • Überzeugen davon, dass wir gewillt sind, uns auch in Zukunft solidarische zu verhalten, um diese Pandemie klein zu halten, aber dass das nur klappen kann, wenn alle mitmachen.  

Gleichzeitig sollten aber alle Register gezogen werden, damit in Bayreuth jede und jeder, die/der sich fürs Impfen entscheidet, schnell und verlässlich drankommt. Das bedeutet, dass vor allem das Gesundheitsamt alle Hebel in Bewegung setzen muss, die hierfür erforderlich sind:

  • Die Impfhotline muss endlich so besetzt sein, dass die Menschen auch durchkommen; und sie muss auch an Freitagnachmittagen und an Wochenenden erreichbar sein. Wenn es dazu mehr Personal braucht, dann müssen wir das einsetzen.
  • Es braucht Impfstoff in ausreichender Menge. Bei den Ärzten, in  Impfzentren, überall, wo geimpft wird.
  • Es braucht einen deutlichen Ausbau der täglichen und wöchentlichen Impfungen, damit sowohl Erst- und Zweitimpfungen als auch Booster-Impfungen viel schneller umgesetzt werden können. 
  • Es braucht längere Öffnungszeiten bei den Impfzentren abends und an Wochenenden.
  • Es braucht wieder Impfaktionen, bei denen auch die besonders schwierig zu erreichenden oder skeptischen Gruppen gezielt aufgesucht werden. In anderen Städten kann man sich in der S-Bahn impfen lassen. Wir könnten einen Bus durchs Stadtgebiet schicken, der auf Zuruf an den Haltestellen Impfwillige aufnimmt. 
  • Und wenn Geimpfte, Genesene und vor allem Nichtgeimpfte einen Test vorweisen müssen (2G+, 3G+), dann müssen Teststellen in ausreichender Zahl vorhanden sein. Wenn sich, wie vor allem an Wochenende, lange Schlangen vor den Testzentren bilden, dann schreckt das nur ab.

Ansonsten was…?

Aber wenn das alles nicht hilft, wenn alle Überzeugungsarbeit keinerlei Früchte tragen sollte, sollte unsere Gesellschaft tatsächlich zum letzten Mittel greifen, um den Tod unzähliger Menschen zu verhindern. Zur Impfflicht! Das sollte die Regierung – am besten die Noch- und die Bald-Regierung gemeinsam – auch klar und deutlich kommunizieren. Wenn die Unvernünftigen nicht einlenken, müssen die Vernünftigen handeln. Dazu gehört, dass man auch, klar und deutlich, kommuniziert, warum eine Abkehr vom bisherigen Merksatz „Es wird keine Impfpflicht geben in Deutschland“ nunmehr nötig ist. Weil nämlich nur eine Impfpflicht hilft, die Corona-Pandemie in den Griff zu bekommen. Und weil am Ende – paradoxerweise – auch nur die Impfpflicht dazu führen wird, eine drohende gesellschaftliche Spaltung, die üblicherweise zu einer Radikalisierung auf beiden Seiten führt, zu verhindern. 


Für Vernunft ist es nie zu spät. Drum lenkt ein, ihr Impfskeptiker! Lasst euch impfen. Das hilft uns allen.  

Ähnliche Beiträge

Lauf der Sinne

Am 17. Juli findet der 6. Mainauenlauf, auch „Lauf der Sinne“ genannt, statt. Die Laufstrecke ist die gleiche wie in den Vorjahren. Start ist im Bereich des grünen Kabinetts, auf

» weiterlesen