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30 Jahre Speedfolk: Fiddler’s Green im Interview

Die Erlanger Folk-Rock-Band Fiddler´s Green zählt seit Jahrzehnten zu den besten Live-Acts Deutschlands. Im Rahmen ihres „Acoustic Pub Crawl“ gastieren sie am 23. April im ZENTRUM. Wir sprachen vorab mit Bassist Rainer Schulz über das 30-jährige Jubiläum und die unterschiedlichen Projekte der Band.

bayreuth4U: Seit über 30 Jahren seid ihr in nahezu unveränderter Besetzung unterwegs. Konntet ihr euer Jubiläum trotz Corona gebührend feiern?

Rainer: Es ging so. Eigentlich wollten wir ja schon im Jahr 2020 feiern, zuerst mit einer Akustik-Tour, dann mit einer sehr üppigen Festival-Tour und einer groß angelegten Jubiläums-Tour im Herbst. Daraus ist dann ja leider nichts geworden. Wir können das alles erst jetzt tröpfchenweise nachholen – unter anderem durch die Akustik-Tour in diesem Frühjahr, die uns ja auch nach Bayreuth führt. Im Herbst 2020 haben wir aber dank einer Crowdfunding-Kampagne mit dem Verkauf von Bandutensilien aus 30 Jahren Bandgeschichte zumindest eine Online-Jubiläumsshow spielen können. Geplant war das natürlich alles ganz anders.

bayreuth4U: Im Jahr 2021 habt ihr mit „Land in Sicht“ erstmals einen deutschen Song veröffentlicht. Wird es davon mehr geben?

Rainer: Es war ein Experiment. Zur damaligen Zeit ging  man davon aus, dass die Kulturszene wieder normal durchstarten kann. Leider war das dann doch nicht der Fall. Uns war es ein Anliegen, das musikalisch umzusetzen. Wir starteten eine Art Versuchsballon, um zu testen, ob unser Selbstverständnis und die Musik, die wir machen, auch mit der deutschen Sprache kompatibel sind. Das kam sehr gut an – witzigerweise insbesondere bei Fans im Ausland, die direkt nach mehr verlangten und sich über einen deutschen Song sehr freuten. Ich denke, den allermeisten deutschen Fans ist Fiddler’s Green, wie sie es kennen, mit englischen Texten aber doch am liebsten. Insgesamt ein gelungenes Experiment, aus dem wir allerdings keine dauerhaften Veränderungen ziehen.

bayreuth4U: Mit „Fiddler’s Green – Green Oak“ habt ihr einen eigenen Whiskey auf den Markt gebracht. Ein eher unkonventionelles Merchandise-Produkt. Wie kam es dazu?

Rainer: Unser Geiger Tobias hat den Whiskey-Brenner aus der Pfalz persönlich kennengelernt. Unser Whiskey wird klassisch, ähnlich der schottischen oder irischen Tradition gebrannt, und ist ein Single Malt, was heißt, dass er aus einer einzigen Brennerei stammt und keine Mischung aus verschiedenen Whiskey-Sorten ist. Ein Whiskey-Kenner würde wahrscheinlich schnell sagen, dass man deutsche Whiskeys sowieso nicht trinken kann, das sind dann aber auch die Spezialisten, die behaupten man könne nur Pizza aus Italien essen. Die ursprüngliche Idee, einen eigenen Whiskey zu machen, kam uns im Rahmen des Band-Jubiläums. Wir haben ein Tasting mit allen Mitgliedern verkauft und für jeden von uns gab es eine entsprechende Sorte. Eine davon hat dann das Rennen gemacht und wird jetzt dauerhaft angeboten. Das Endprodukt ist sehr hochwertig und dementsprechend nicht gerade günstig. Es steckt eben jede Menge Arbeit und Zeit in einem guten Whiskey.

bayreuth4U: Seit 2009 organisiert ihr euer „Shamrock Castle“-Festival in der Fränkischen Schweiz. Wie fühlt es sich an, bei einem Festival mit knapp 2000 Besuchern die Rolle des Veranstalters einzunehmen?

Rainer: Das ist echt klasse, wir haben es über die Jahre geschafft, dass das Ganze zu einer Art Familientreffen geworden ist, bei dem wir neben den befreundeten Bands und den Familien auch mit zahlreichen Fans zusammenkommen. Das ist schon immer ein echtes Jahres-Highlight für mich. Gerade die Rolle des Gastgebers ist sehr schön. Wir sagen alle Bands persönlich an und genießen sowohl hinter als auch vor der Bühne die Bombenstimmung. Natürlich gibt es eine recht zeitintensive Vorbereitung, aber die nimmt man dafür gerne in Kauf. Und wenn alle zusammenhelfen, ist es am Ende doch ganz entspannt. 

bayreuth4U: Letztes Jahr gab es mit „Seven Holy Nights“ ein Weihnachtsalbum von euch. Kann man in Zukunft mit weiteren Specials rechnen oder bleibt auch das eine Ausnahme?

Rainer: Mir würde da ehrlich gesagt erstmal nichts einfallen, was sich da noch anbietet. Das Weihnachtsalbum gehört ja seit Jahrzehnten zum Standardrepertoire vieler Künstler. Auch wir haben uns seit etwa 20 Jahren vorgenommen, zumindest mal eine Weihnachts-Single rauszubringen, nur hat das bis jetzt zeitlich aufgrund von Touren und normalen Alben nie richtig hingehauen. Dank Corona mussten wir aber alle möglichen anderen Pläne über den Haufen werfen, wodurch sich endlich die Möglichkeit für uns aufgetan hat, vor ziemlich genau einem Jahr dieses Album aufzunehmen.

bayreuth4U: Nach fast drei Jahren kann nun der „Acoustic Pub Crawl“ in Bayreuth endlich stattfinden. Inwiefern unterscheiden sich eure akustischen Shows von den normalen Fiddlers-Shows?

Rainer: Es fängt schon damit an, dass auf der Bühne alle sitzen, lediglich der Schlagzeuger und ich als Bassist spielen stehend. Wir verwenden keine E-Gitarre und auch keinen E-Bass, wodurch die Songs auf eher ungewohnte Art arrangiert sind. Wirklich wichtig ist allerdings, dass darunter weder die Energie noch die Tanzbarkeit der Songs leidet. Ganz im Gegenteil: Auch hier geht es sehr zur Sache und auf die Mütze. Man sitzt nicht einfach nur da und lauscht den ruhigen Klängen, es wird auch nicht jeder normale Song plötzlich zu einer Ballade. Bei uns ist das eher umgekehrt: Aus einer Ballade wird häufig eine etwas härtere Nummer, bei der dann auch mal der ein oder andere Crowdsurfer zu sehen ist. Eine sehr spaßige und kommunikative Geschichte zwischen Band und Publikum, die den normalen Shows in nichts nachsteht.

bayreuth4U: Bayreuth ist für euch kein Neuland, es liegen hier bereits einige Shows hinter euch. Was verbindet ihr mit der Stadt?

Rainer: Schon rein geographisch gesehen ist Bayreuth ja nahezu Heimat für uns. Abgesehen davon gehört die Stadt seit jeher regelmäßig zu unseren Tourplänen. Die Fotos der aktuellen Tour stammen auch mehrheitlich aus Bayreuth. Ich kann gar nicht aufzählen wie oft wir schon hier waren, schätzungsweise mindestens 15 Mal.

bayreuth4U: In der Vergangenheit habt ihr auch mit Organisationen wie Greenpeace gearbeitet. Wie wichtig ist soziales Engagement für euch?

Rainer: Sehr wichtig, da wir sehr viel Gehör finden und eine große Reichweite aufweisen. Es ist essentiell, Stellung zu beziehen, damit die Fans unsere Sichtweise verstehen. Wir wollen nicht weltverbesserisch mit erhobenen Zeigefinger vorangehen, aber dennoch sollte man die verfügbaren Mittel nutzen, um möglichst gute Dinge zu bewirken. Manche Themen sind auch einfach viel zu wichtig, als dass man sie einfach weglassen könnte. Ein Kernthema bei Greenpeace ist ja der Klimawandel, den wir immer wieder ins Bewusstsein rücken möchten. Am Ende sind wir immer noch eine Band, die herkommt, um zu feiern und mit den Fans Spaß zu haben, dennoch sollte man manche Themen auch hier nicht ganz außen vor lassen.

Fiddler´s Green kommen am 23. April nach Bayreuth ins ZENTRUM. Beginn ist um 20 Uhr, der Einlass ist ab 19 Uhr möglich. Tickets gibt es hier.

Das Interview führte Joshua
Machowetz.

Foto: Holger Fichtner

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