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Bairische Klänge mit Tiefgang 

Von Misthaufen und Blockflötenklängen bis hin zu einer beeindruckenden musikalischen Reise – das bayerische Phänomen Pam Pam Ida hat längst auch überregional die Herzen der Musikfans erobert. Im Interview mit bayreuth4U gewährt Sänger Andi Einblicke in die musikalische Reise der bayerischen Band

bayreuth4U: Euer erstes Musikvideo „Gockl“ – samt Blockflötentrio auf einem Misthaufen – habt ihr 2015 veröffentlicht. Wie entstand die Idee, das Projekt Pam Pam Ida zu gründen?
Andi: Tom, Juli und ich spielten schon viele Jahre vor Pam Pam Ida gemeinsam in einer Band. Wir nannten uns Ludwig Two und machten poppig-rockigen Indie. Nach vielen Jahren, zahlreichen Konzerten, tollen Support-Shows von LaBrassBanda und Toto und zwei Alben war etwas die Luft raus. Wir waren alle in Bayern verteilt, weil wir an verschiedenen Orten studierten. Deshalb begann ich zufällig, bairische Lieder zu schreiben und alleine aufzunehmen. Durch mein Musikpädagogikstudium hatte ich das große Glück, gemeinsam mit den späteren Streicher:innen des Silberfischorchesters Kammermusik zu machen. Da die Demoversion vom „Gockl“ für große Begeisterung im Freundeskreis sorgte, war das der erste Song, der gemeinsam mit vielen Freunden im Studio aufgenommen wurde. Dass der Song mit Video so einschlug, war der pure Wahnsinn und unser großes Glück. Matuschke von Bayern3 selbst pushte ihn zu seinem Liebling des Jahres. Eine feste Band gab‘s bis dahin nicht, aber es musste eine gefunden werden, weil klar war: Wir müssen dran bleiben. Und so stehen wir seit 2017 als Pam Pam Ida, mal mit und mal ohne dem Silberfischorchester, auf der Bühne.

bayreuth4U: Seitdem erscheinen regelmäßig neue Studioalben und EPs, mit denen ihr euch bereits eine breite Fanbase sichern konntet. Was inspiriert euch zu neuen Themen?
Andi: Inspirierend kann so ziemlich alles sein. Ich beobachte gern oder höre Anderen zu. Beispielsweise hat mich so manche Ratscherei beim Kaffeekränzchen bei meinen Großeltern zu dem ein oder anderen Lied inspiriert. Der eigene Zustand kann Grund für ein neues Lied sein: Ob’s einem gut geht und man das teilen will, oder ob’s einem schlecht geht und man was verarbeiten muss. Natürlich ist andere Musik auch immer Inspiration; genauso andere Menschen, schöne Filme, interessante, philosophische Fragen, ein schönes Buch, eigene Ängste und unerwartetes Glück.

bayreuth4U: Ihr habt kein Interesse daran, euch für das Hochdeutsche zu verbiegen. Wie schafft ihr es, die Fans auch überregional für euch zu gewinnen, selbst wenn sie nicht jedes Wort verstehen?Andi: Das können wir nur mit unserer Energie, unserer Leidenschaft und unserer Freude auf der Bühne schaffen. Die Musik versuchen wir dabei, sowohl live als auch auf Platte, sehr ernst zu nehmen, in der Hoffnung, dass sie Andere berührt – auch ohne Bairisch-Kenntnisse.

bayreuth4U: Im letzten Jahr habt ihr drei Kurzalben veröffentlicht. Der erste Part „Nix versammt“ ist während der Coronazeit entstanden und handelt von Themen wie Nihilismus oder Rauschgift. Erschien euch in der Zeit auch vieles sinnlos oder seid ihr optimistisch geblieben?
Andi: Im Grunde sind alle Kurzalben bzw. EPs während der Coronazeit entstanden. Während die Songs für „Nix versammt” entstanden, fühlte sich die plötzliche Zwangspause für uns tatsächlich eher befreiend an, weil es alle Kunstschaffenden gleichermaßen betraf und wir daher nicht das Gefühl hatten, irgendetwas zu versäumen. Aber wenn man fast ein Jahr nicht live spielen kann und danach nur vor stark verkleinertem Publikum und der Live-Betrieb die wichtigste Einnahmequelle ist, stellt man sich schon die Frage, ob das Leben als freiberuflicher Musiker überhaupt Sinn macht. 

bayreuth4U: Der zweite Teil „Reparaturwerkstatt Nübl“ ist ungewohnt rockig und enthält Songs wie „Lass mi lem“ oder „Besser“. War das die Freude, dass die Pandemie überstanden war?
Andi: Nein. Das war sie ja noch nicht. Im Grunde sind auch beide Lieder eher „Downer”, wobei „Besser” eine unüberhörbar positive Note trägt. Mit „Amok” besitzt „Reparaturwerkstatt Nübl” auch die böseste Nummer. Ich würde sagen: Die zweite EP ist sehr klagend und anklagend im Kern.

bayreuth4U: „Koa Moang“ ist der Name des dritten Teils und eurer aktuellen Tour. Habt ihr Angst vor der Zukunft? Und was tut ihr dafür, dass es ein Morgen gibt?
Andi: Momentan gibt es tatsächlich Vieles, was uns sehr nachdenklich stimmt: Die Landtagswahl in Bayern, bei der drei Viertel der Wähler:innen rechtspopulistisch wählen. Die Kriege in der Ukraine und in Israel. Der Klimawandel. Die tiefen Risse innerhalb der Bevölkerung. Wir können nur versuchen, bei all den Horrorthemen selber nicht zu resignieren und hin und wieder, auch wenn’s mühsam ist, im Diskurs das Maul aufreißen. Auf der Bühne versuchen wir heikle Themen subtil und eher witzig darzustellen. Natürlich könnten wir viel mehr tun, aber Heilige sind wir leider nicht.

bayreuth4U: 2021 wart ihr Teil des Kneipenfestival-Neustarts. Habt ihr Erinnerungen an den Auftritt?
Andi: Ja klar. Im Kopf ist uns der Auftritt vor allem wegen der Party danach geblieben. Im Keller hat nach uns noch eine Red-Hot-Chili-Peppers-Coverband gerockt. Da wir gefühlt seit einer halben Ewigkeit kein Live-Konzert mehr erlebt haben, hat uns das richtig das Hirn weggeblasen.

bayreuth4U: Ihr fühlt euch nicht nur der Partyunterhaltung verpflichtet, sondern seid auch tiefgründig und offen für neue Wege im Popbereich. Welche Projekte sind als nächstes geplant? Mit wem wollt ihr in Zukunft gerne zusammenarbeiten?
Andi: Nächstes Jahr wollen wir ein neues Album veröffentlichen. Vielleicht gibts auch Features mit anderen Künstler:innen und Bands. Gipfeln soll das kommende Jahr in einem Gig im Zirkus Krone. Darauf freuen wir uns schon sehr!

bayreuth4U: Auf euren Konzerten solle man sich immer so fühlen, als wäre man noch nie auf einem gewesen. Auf was dürfen wir uns bei eurem Konzert in Bayreuth freuen?
Andi: Man darf sich auf viel Gefühl, Leidenschaft und Gaudi freuen – im besten Fall auch vom Publikum!

Pam Pam Ida sind am 30. November live im ZENTRUM Bayreuth zu erleben. Tickets gibt‘s unter  www.motion.gmbh oder an der Theaterkasse.

Interview: Annika Frank | Foto: Susanne Pesl

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