We Are Family

Trotz Corona-Krise blieb Angelo Kelly nicht untätig. Der jüngste Spross der Kelly Family nutzte die Zeit, um gemeinsam mit Frau und Kindern neue Musik zu produzieren und mit seinem Album „Coming Home“ nach vielen Reisen auch musikalisch in seine irische Heimat zurückzukehren. Der stolze Familienvater erzählt im Gespräch über seine Zeit im Lockdown, sein neues Album und die „Irish Summer Tour“, die ihn im Sommer auch nach Kulmbach führt.

bayreuth4U: Wie geht es dir und deiner Familie gerade? Wie habt ihr die Zeit des Lockdowns verbracht?

Angelo Kelly: Uns geht es soweit allen ganz gut. Wir genießen die Zeit in Irland und haben in den letzten zwei Jahren viel neue Musik geschrieben und herausgebracht. Das war etwas, was wir während den Lockdowns noch machen konnten. Aber wir freuen uns, dass es nun endlich wieder losgeht und wir nach langer Zeit wieder auf die Bühne können. 

bayreuth4U: Wie war es für jemanden wie dich, der immer viel unterwegs ist und mehrere Projekte gleichzeitig am Start hat, auf einmal komplett herunterzufahren?

Angelo: Es war sehr ungewohnt, dass man plötzlich nicht mehr touren und keine Konzerte geben konnte. Das kannte ich mein ganzes Leben lang nicht und obwohl ich mich bisher noch nicht daran gewöhnen konnte, muss man es einfach akzeptieren.
Das Gute ist: Musik machen besteht nicht nur aus Konzerten, sondern auch aus Songs schreiben, im Studio musizieren und Alben aufnehmen.
In dieser Zeit rückte der Fokus also ein bisschen mehr auf diese Seite des Künstler-seins. 

bayreuth4U: Für viele Eltern war Homeschooling eine neue Herausforderung, bei euch gehört es zum Alltag. Wie sieht Homeschooling bei den Kellys aus?

Angelo: Wir machen schon seit über zehn Jahren Homeschooling. Ich glaube viele Eltern in Deutschland – oder auch in anderen Ländern – die durch Lockdowns von heute auf morgen Homeschooling machen mussten, waren sicherlich überfordert damit. Auch das System, das ihnen gegeben wurde, war dafür wahrscheinlich nicht geeignet. Wenn man das längerfristig macht, dann ist es anders.
Für uns ist es einfach das Richtige, denn es gibt uns die Möglichkeit mehr zu reisen und Musik zu machen, aber es ist sicherlich nicht für jede Familie geeignet. 

bayreuth4U: Ihr seid nach drei Jahren des Reisens in Irland sesshaft geworden. Was bedeutet Irland für dich?

Angelo: Irland ist für mich Zuhause. Ich bin irischer Staatsbürger, besitze einen irischen Pass und meine Familie kommt ursprünglich – über Amerika – auch aus Irland. Jedes Mal, wenn ich in Irland war, habe ich mich durch die irische Landschaft, die Luft und ihrem Geruch, aber auch durch den Humor, die Menschen und die Musik sofort wohl gefühlt. Ich bin sehr viel um die Welt gereist, aber in Irland fühlte ich mich schon als Kind immer direkt wie Zuhause. Gott sei Dank hat es sich dann irgendwann auch ergeben, dass wir hier sesshaft geworden sind.

bayreuth4U: Euer aktuelles Album heißt „Coming Home“. Was heißt es für dich, heimzukommen?

Angelo: „Coming Home“ war das erste Album, das veröffentlicht wurde, nachdem ich aus der Kelly Family – als Band, nicht als Familie – ausgetreten bin. Die Arbeit im Zuge des großen Comebacks mit der Band über vier, fünf Jahre hinweg war toll, bedeutete aber auch, dass meine eigene Familie immer wieder auf mich verzichten musste, da ich oft unterwegs war. Das Album „Coming Home“ bekam diesen Titel, da ich nach dem Ausstieg sozusagen endlich wieder zuhause bin. 

bayreuth4U: Auf dem neuen Album finden sich neben den eigenen Stücken auch wieder Coversongs. Wie wählt ihr diese aus? 

Angelo: Wir schreiben sehr gerne eigene Songs, arbeiten aber genauso gerne an alten, traditionellen irischen Songs, wie „Wild Rover“ oder „Whiskey In The Jar“. Es macht uns einfach Spaß, unsere eigene Version davon zu kreieren. Hin und wieder wird dann auch gerne mal ein Song gecovert. „Country Roads“, zum Beispiel, klang glaube ich noch nie so irisch wie bei uns. 

bayreuth4U: Mit der Kelly Family wart ihr damals im berühmten roten Doppeldeckerbus unterwegs. Wie sieht euer Tourleben heute aus?

Angelo: Heutzutage gibt es – Gott sei Dank – ganz tolle Tour-Busse namens „Nightliner“, die man inklusive Fahrer mieten kann. Diese sind quasi ein Hotel auf Rädern und so kann die Reisezeit ganz angenehm überbrückt werden. Man ist über Nacht unterwegs, schläft ganz bequem und am nächsten Morgen ist man, wenn man aufwacht, schon da, wo am Abend das Konzert stattfindet. 

bayreuth4U: Du bist 2020 offiziell aus der Kelly Family ausgestiegen. Wie kam es zu dem Entschluss?

Angelo: Das Comeback ging ca. 2017 los und es war zu der Zeit noch nicht klar, wie lange wir das machen würden, ein bis zwei Jahre vielleicht. Wir waren aber so überwältigt von dem Erfolg und der dankbaren Reaktion der Menschen, dass wir einfach noch eine Weile weiter gemacht haben. Aus einer Tour wurden mehrere und aus einem Album wurden viele. Ich trug dabei einige Verantwortungen, unter anderem die der musikalischen Leitung und von daher war es für mich klar, dass ich das nicht ewig machen kann. Somit habe ich dann mit der letzten Tour, die Anfang 2020 endete, für mich das Kapitel abgeschlossen. Das war eine tolle Art meine Zusammenarbeit mit meinen Geschwistern abzuschließen, denn als Anfang der 2000er alles auseinander ging, passierte die Trennung nur stückchenweise und ohne richtiges Konzept. Im Gegensatz dazu konnten wir nun alles ganz groß aufziehen und feiern und damit ein schönes Ende kreieren – zumindest für mich.

bayreuth4U: Eure „Irish Summer Tour“ soll 2022 endlich nachgeholt werden. Auf was dürfen sich die Fans freuen?

Angelo: Wir freuen uns tierisch auf die kommende „Irish Summer Tour“. Durch die Lockdowns sind nun fast drei Jahre seit dem letzten Konzert für mich, meine Frau und meine Kinder vergangen. Wir freuen uns darauf mit unseren Musikern, statt nur im Studio, endlich wieder auf der Bühne zu musizieren, unsere Musik erneut teilen zu können und mit den Menschen zu feiern. Wir werden auf jeden Fall sehr, sehr viel Energie und Freude mitbringen. Es wird für uns – und ich glaube auch für das Publikum – eine sehr emotionale Tour. Uns endlich mal wieder live sehen zu können wird für viele sehr besonders sein. Es ist schon verrückt: Manchmal muss einem etwas weggenommen werden, damit man erst einmal sieht, was man daran hatte. Es wird daher also eine emotionale, aber auch sehr freudige Tour sein. 

Die „Irish Summer Tour“ führt Angelo Kelly und seine Familie am 14. Juli um 19.30 Uhr auf das Plassenburg Open-Air nach Kulmbach. Tickets gibt es unter: www.plassenburgopenair.de

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