Musik mit Herzblut

Gregor Meyle ist einer der erfolgreichsten deutschen Singer-Songwriter. Im August kommt der sympathische 43-Jährige zum ersten Mal mit seiner Band nach Bayreuth. Im Vorfeld sprachen wir mit ihm über seine Erfahrungen im Lockdown, seine Familie und einen anfangs
steinigen Karriereweg.

bayreuth4U: In deiner im März erschienenen neuen Single „Komm kurz rüber“ geht es um die Corona-Pandemie und ihre Folgen. Wie erging es dir in der Zeit?

Gregor Meyle: Ich hatte natürlich viel mehr Zeit für die Familie, was wirklich schön war. Wir haben eine kleine Tochter und ich freu mich total, dass ich da nicht so viel verpasst habe. Aber es ist erschreckend, wenn du von jetzt auf gleich keinen Job mehr hast. Ich habe das Glück, dass ich Autor bin und dass ich viele Sachen schon geschrieben habe, auch für andere Künstler. In der Zeit des ersten Lockdowns war dann die Sendung Masked Singer, während der ich mich mit Corona infiziert habe. Nach 14 Tagen Quarantäne und elf Kilo weniger auf der Waage habe ich dann aber mein Kostüm wieder angezogen und meine Liedchen gesungen. Das war schon cool, weil man ein Ziel hatte und noch dazu einen Job in der Pandemie. Wir sind als Familie gut durchgekommen, weil ich auf mehreren Beinen stehe, mir war aber wichtig, dass wir auch als Band durchkommen – da stehen 15 Familien dahinter. Meine Crew musste andere Jobs machen, aber wir haben sehr gut zusammengehalten, uns gegenseitig geholfen und im Sommer konnten wir einige coronakonforme Konzerte spielen. Es war zäh, die Zuschauer hatten eine Maske auf, durften nicht singen, durften nicht tanzen, aber trotzdem haben wir es geschafft, dass die Energie rübergekommen ist. 

bayreuth4U: Wie sehr freust du dich, im Sommer wieder ohne Auflagen vor Publikum spielen zu können? 

Gregor: Wir sind froh, dass es bei den Konzerten wieder halbwegs normal los geht. Wir freuen uns sehr das Publikum endlich wieder zu sehen und vielleicht auch mal wieder ein Lächeln. 

bayreuth4U:  Du bist ja gelernter Tontechniker und hast lange Zeit als einer gearbeitet. Fließen diese Erfahrungen auch heute noch in deinen Beruf ein?

Gregor: Ich habe zwölf Jahre als Veranstaltungstechniker gearbeitet. Von daher ist es natürlich so, dass ich genau weiß, was man machen muss, was für viele Tonkollegen sehr schlimm ist (lacht). Da muss ich mich manchmal auch zurückhalten, weil es liebe Freunde sind, welche den Job jeden Tag machen und dadurch auch viel routinierter sind als ich.

bayreuth4U: Du warst ja schon in einigen TV-Formaten wie Masked Singer, Sing meinen Song oder SSDSDSSWEMUGABRTLAD, der Show von Stefan Raab, zu Gast. Was hat dir am besten gefallen?

Gregor: Die klassische Antwort ist natürlich, dass alle cool waren und mir Spaß gemacht haben. Aber es kommt auch auf die Zeit an. Die Show von Stefan Raab ist jetzt schon fast 15 Jahre her. Das war eine wahnsinnige Aufbruchszeit, weil ich damals alles auf eine Karte gesetzt habe. Ich stand quasi auf einer Messe in Köln auf der Leiter und habe einen Lautsprecher aufgehängt, als der Anruf mit der Einladung zur Sendung kam. Da habe ich zu meinem Disponenten gesagt: „Ich bin jetzt mal für zwei Monate raus, um meine Musik an den Start zu bringen“. Der hat mir zu Recht den Vogel gezeigt. Anfang 2008 ging dann alles los, aber Ende 2008 war der große Hype dann vorbei. Ohne Sendung im Rücken kamen viel weniger Leute zu meinen Konzerten. Ich wollte kaum wahrhaben, dass schon wieder alles vorbei ist. Aber das ist eben das Entscheidende: Wenn man aus einer Castingshow kommt, muss man sich immer wieder aufrappeln. Das war eine ganz wichtige Lektion für mich. Und es kommt auch immer darauf an, was man bereits mitbringt. Wenn ich zum Beispiel bei „Sing meinen Song“ nicht schon vier Alben veröffentlicht hätte, wäre das auch nicht so erfolgreich gewesen. Dann hätte Sarah Connor auch nicht „Keine ist wie du“ singen können, wodurch sie selber zur deutschsprachigen Musik gekommen ist – das war dann schon ein Schlüsselmoment. Es ist einfach schön, dass man den Leuten auf den Sofas daheim zeigen kann, dass Musik noch berühren kann. 

bayreuth4U: Gab es nach dem ersten Hype mit Stefan Raab einen Moment, in dem du überlegt hast, die musikalische Karriere an den Nagel zu hängen? 

Gregor: Auf jeden Fall. Es gab diese klassische filmreife Situation: Ich saß in meinem geleasten Auto, konnte weder die Leasingrate noch meine Krankenversicherung bezahlen und die Konten waren dicht. Da habe ich bei meinem ehemaligen Chef angerufen und gefragt, ob er einen Job hätte. Zu dem Zeitpunkt hätte ich wirklich alles gemacht. Daraufhin sagte er: „Du musst mit deiner Musik weiter machen und es durchziehen. Da kommt jetzt mal eine Durststrecke.“ Wir haben zwei Stunden telefoniert und währenddessen hat er mir eine große Menge Geld überwiesen. Das war echt krass. Zu der Zeit war ich ein halbes Jahr nicht krankenversichert und konnte viele Sachen nicht bezahlen, aber mit meiner Frau zusammen habe ich das alles irgendwie hingekriegt. Wir haben da echt überall gespielt, auf Hochzeiten, Beerdigungen oder in Kneipen. Oft Konzerte gespielt, an denen wir nicht einen Cent verdient haben. Wir haben bei Veranstaltern im Kinderzimmer gepennt oder im Backstage-Bereich auf Europaletten mit einem Kissen drauf. Wir hatten auch noch keine Kinder damals sonst hätte ich das so nicht durchgezogen. Aber irgendwann hat man sich dann so sein Publikum erspielt.

bayreuth4U: Im Herbst erscheint dein siebtes Album „Gleichgewicht“. Worum geht es darin?

Gregor: In „Gleichgewicht“ geht es darum, wie man Karriere, Job und Familie unter einen Hut kriegt. Auf dem Cover ist deswegen auch ein Bild von mir und meiner Tochter. Im Jahr bin ich bis zu 250 Tagen unterwegs, aber ich bin halt auch gerne bei der Familie zuhause und möchte nix vermissen. Wenn du mehrere Tausend Kilometer unterwegs bist, musst du den gesunden Kontakt mit der Familie noch auf die Reihe kriegen. Wenn dir deine vierjährige Tochter eine Geschichte aus dem Kindergarten erzählt, musst du mit dem Kopf voll da sein. Man hat als Selbständiger und wenn man viel unterwegs ist, immer viele Eisen im Feuer, aber das muss immer getrennt von der Familie gehen.

bayreuth4U: Gibt‘s im Sommer denn schon neue Songs zu hören?

Gregor: Wir werden sicher ein paar davon spielen. Mir ist wichtig zu sehen, wie die Songs bei den Leuten wirken, und außerdem macht es großen Spaß, neue Sachen zu spielen. 

bayreuth4U: Deine Konzerte werden oft als Abend mit Freunden beschrieben, an deren Ende du bisweilen selbst mitten im Publikum stehst. Wie sieht für dich der perfekte Abend mit Freunden aus?

Gregor: Da gibt es erstmal unterschiedliche Kategorien. Ich mag es zum Beispiel mit einem Kumpel eine Flasche Wein zu öffnen und über das Leben zu reden. Wir haben auch viele Freunde, die ganz normale Jobs haben. Dann gehen wir oft an den Wochenenden campen und machen uns dort eine schöne Zeit. 

bayreuth4U: Du feierst beim Konzert auf der Seebühne auch deine persönliche Bayreuth-Premiere, oder? 

Gregor: Ich war noch nie in Bayreuth und auch zu den Festspielen habe ich es noch nicht geschafft. Das Konzert im Sommer ist also wirklich ein Novum!

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